Wirtschaft : Fressen - oder gefressen werden

URSULA WEIDENFELD

SCHON WIEDER EINE RIESENFUSION . Und wenn Total-Fina die feindliche Übernahme von Elf Aquitaine gelingt, wird es noch lange nicht die letzte gewesen sein. Die Ölindustrie steckt mitten in einem gewaltigen Prozeß der Umstrukturierung. Die Gewinne aus dem Geschäft schrumpfen, und Öl ist ein Rohstoff, der auf der ganzen Welt gleich ist. Die Rohölpreise sinken seit Jahren, die Erschließung neuer Energiequellen dagegen wird immer teurer. Kaum einem Unternehmen gelingt es, Kostenvorteile durch die Straffung interner Abläufe oder billigere Transportwege zu erwirtschaften. Fusionen und Übernahmen scheinen im Augenblick der einzige Weg für die Mineralölkonzerne zu sein, um die Kosten zu drücken.

Die Konzentrationswelle bei den größten Ölunternehmen der Welt ist keine freundliche Angelegenheit. Das Zusammenführen verschiedener Unternehmenskulturen beispielsweise, wie sie die Deutsche Bank und Bankers Trust oder der Autoriese DaimlerChrysler versuchen, spielt bei den Ölunternehmen keine Rolle. Hier wird geholzt: Wer übernommen wird, räumt den Chefsessel. Und die Mitarbeiter der gekauften Unternehmen müssen häufig mitgehen. Jeder, dem die Übernahme droht, weiß, daß von seinem Unternehmen in der Regel nicht viel mehr übrigbleibt als der Markenname an der Tankstelle. Kein Wunder, daß die Übernahmekandidaten sich zu wehren versuchen. Kein Wunder auch, daß die vom Markt erzwungenen Allianzen gelegentlich schnell auseinanderbrechen, wenn der Ölpreis wieder anzieht. So war es bei Texaco und Chevron. Und so dürfte es auch bei der jetzt angekündigten feindlichen Übernahme sein. Dennoch: Solange sich die Weltkonjunktur nicht anhaltend und dauerhaft erholt und dann auch der Ölverbrauch wieder steigt, werden die Großen im Ölgeschäft weiter fressen. Weil sie wissen, daß es nur eine Alternative gibt: gefressen werden.

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