Wirtschaft : Freude im Februar

Die Arbeitslosigkeit geht zurück – trotz des Winters. Doch nicht alle Jobsuchenden profitieren davon

von
Nichts los. Lange Schlangen vor den Arbeitsagenturen gibt es derzeit kaum. Foto: dapd
Nichts los. Lange Schlangen vor den Arbeitsagenturen gibt es derzeit kaum. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin/Nürnberg - So richtig interessieren mochten sich am Dienstag in Berlin nur wenige für die neuen, guten Zahlen vom Arbeitsmarkt. Zu sehr waren wohl selbst die Fachpolitiker damit beschäftigt, die Nachwirkungen des Rücktritts von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu analysieren. Die für neue Jobs zuständigen Minister mussten daher weitgehend alleine jubeln. „Alle Indikatoren auf dem Arbeitsmarkt weisen in die richtige Richtung“, hieß es im vorbereiteten Statement von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). „Innerhalb eines Jahres sind fast eine halbe Million zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland entstanden“, ließ Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) verbreiten. „Das ist eine hervorragende Bilanz.“

Die Zahlen, die derart viel Freude auslösten, können sich für einen Wintermonat durchaus sehen lassen. Im Februar ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Januar um 33 000 auf 3,317 Millionen zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Sie meldete den besten Februar seit 1992. BA-Chef Frank-Jürgen Weise sieht nun Chancen, die Marke von drei Millionen Arbeitslosen schon im Juni wieder zu unterschreiten: „Vor Beginn des Sommers könnte es sein, dass wir unter drei Millionen kommen“, erklärte er.

Für die gute Entwicklung machte Weise den Aufschwung verantwortlich. Da inzwischen immer mehr Firmen neue Arbeitsplätze schafften, hätten Arbeitssuchende derzeit so gute Jobchancen wie schon lange nicht. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Erwerbstätigkeit liegen weiter auf Wachstumskurs und die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt weiter“, erklärte Weise. Entlastend wirke außerdem „ein seit mehreren Jahren rückläufiges Arbeitskräfteangebot“. Auch das milde Wetter habe eine Rolle gespielt. Aber auch ohne die Berücksichtigung von Saisoneinflüssen waren die Zahlen gut – in dieser Rechnung ging die Arbeitslosigkeit um 52 000 zurück. Akute Risiken wegen der Aufstände im arabischen Raum oder dem steigenden Ölpreis sieht Weise vorerst nicht.

Sorge bereitet der BA hingen die hohe Sockelarbeitslosigkeit; nach Angaben von Vorstandsmitglied Heinrich Alt waren im Februar 903 000 Menschen als Langzeitarbeitslose registriert. Dies seien lediglich fünf Prozent weniger als vor einem Jahr. Der nur langsame Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit zeige, dass es Menschen gebe, die trotz der besseren Beschäftigungslage keine Arbeit fänden.

Europaweit steht der bundesdeutsche Arbeitsmarkt gleichwohl gut da. Im Vergleich aller 27 EU-Länder für den Monat Januar stehe Deutschland an fünfter Stelle, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Besser standen lediglich die Niederlande, Österreich, Luxemburg und Malta da. Schlusslicht ist Spanien mit einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent.

In Berlin waren im Februar 240 534 Arbeitslose gemeldet, das waren zwar gut 2500 mehr als im Januar, aber fast 4400 weniger als noch vor einem Jahr. Die Entwicklung in der Hauptstadt wertete Margit Haupt-Koopmann, Chefin der BA-Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, als weiterhin positiv. Bei den Arbeitsagenturen seien derzeit 30 Prozent mehr Stellen gemeldet als noch vor einem Jahr. Insbesondere im Wach- und Sicherheitsgewerbe, bei den Call-Centern und bei der Zeitarbeit gebe es derzeit gute Stellenchancen für Bewerber. In Brandenburg waren im Februar 163 200 Menschen arbeitslos gemeldet, ebenso viele wie im Vormonat. aber fast 10 700 weniger als vor Jahresfrist. Auch in der Mark meldeten Arbeitgeber mehr Stellen an die Arbeitsagenturen. Die meisten seien aus den Branchen Land- und Forstwirtschaft, verarbeitendes Gewerbe, Zeitarbeit und Bau gekommen, erklärte die Behörde.

Für die kommenden Monate rechnen Ökonomen mit einem weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit. „Ein Ende des kräftigen Aufschwungs in Deutschland ist derzeit nicht in Sicht“, sagte Commerzbank-Analystin Ulrike Rondorf. Sie rechnet nach dem aktuellen Stand von 7,9 Prozent im Februar mit einer noch weiter fallenden Arbeitslosenquote. „Wir erwarten, dass sie im nächsten Jahr sogar die Marke von sieben Prozent unterschreiten wird“, erklärte sie. mit dpa

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben