Wirtschaft : Freundliche Fusion: Am kommenden Sonntag sollen die Aufsichtsräte der Verschmelzung zustimmen

ews/jsn/um

Am Sonntag werden die Aufsichtsräte der Veba AG, Düsseldorf, um 10 Uhr sowie der Viag AG, München, um 17 Uhr ihre Zustimmung zur Fusion der beiden Konglomerate geben. Es kann davon ausgegangen werden, dass eine Verschmelzung auf freundlicher Basis erfolgen wird. Die Veröffentlichung der Entscheidung wird jedoch erst für Montagmorgen erwartet.

In einem Treffen am Dienstagabend zwischen Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und den beiden Konzernchefs von Veba und Viag, Ulrich Hartmann und Wilhelm Simson, hat der Freistaat Bayern den Weg für eine Fusion grundsätzlich freigemacht. Eine Einigung über einen Teilverkauf des 25,1-prozentigen Aktienpakets, das der Freistaat an der Viag hält, ist aber offensichtlich noch immer nicht zustande gekommen. Es gebe weiterhin Diskussionen um den Preis für das Anteilspaket, heißt es aus verhandlungsnahen Kreisen. Ein Ergebnis müsse aber nicht unbedingt vor den Sitzungen der Räte am Sonntag zustande kommen. Der bayerische Ministerpräsident benötigt das Geld für seine geplante High-Tech-Offensive. Stoiber steht unter starkem Druck, einen Maximalpreis auszuhandeln. Der durch die LWS-Affäre ohnehin angeschlagene Ministerpräsident wird den Vertrag vor dem Bayerischen Landtag vertreten müssen. Die Landesregierung pokert noch hoch: Sie orientiert ihre Forderungen am aktuellen Kurs von um die 20 Euro, die Veba bietet aber nur etwa 17 Euro. Immerhin hat sich Stoiber am Dienstag aber wohl bereit erklärt, seine Zustimmung zu der Fusion nicht zu verweigern und die Verhandlungen mit anderen Interessenten nicht weiter zu verfolgen. Wie weiter zu erfahren ist, steht auch die der Fusion zu Grunde zu liegende Bewertungsrelation noch nicht fest. Bisher war von einem Verhältnis 65 : 35 zugunsten der Veba die Rede. Fest zu stehen scheinen dagegen die wichtigsten Personalien: Es soll eine Doppelspitze geben mit Ulrich Hartmann, verantwortlich für Unternehmenskommunikation und politische Kontakte, sowie Wilhelm Simson, zuständig für Konzernstrategien. Den Vorstand, der in Düsseldorf residieren wird, vervollständigen Hans Michael Gaul, Erhard Schipporeit und Manfred Krüper.

Durch den Zusammenschluss entsteht der zweitgrößte deutsche Konzern nach DaimlerChrysler. Auf die Kerngeschäfte Energie, Chemie und Telekommunikation entfällt ein Umsatzvolumen von knapp 80 Milliarden Mark. 66 Milliarden stehen auf dem Prüfstand und sollen abgegeben werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben