Wirtschaft : Friedensdividende für Ulster

Das Nordirland-Abkommen soll sich bar bezahlt machen LONDON (dpa).Wenn aus dem Friedensplan für Nordirland Wirklichkeit wird, können Protestanten und Katholiken erheblichen wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen.US-Präsident Bill Clinton war nicht der einzige, der auf diesen äußerst willkommenen Nebeneffekt der Vereinbarung vom Karfreitag hingewiesen hat.Und wenn er auch sagte, daß niemand konkrete finanzielle Zusagen von ihm verlangte, als er bis zuletzt mit den Politikern in Belfast telefonierte, konzentrieren sich doch viele Hoffnungen auf ihn.Nach britischen Presseschätzungen will Clinton über fünf Jahre Investitionen von 100 Mill.Pfund (300 Mill.DM) beisteuern. "Nordirland kann mit einer enormen Friedens-Dividende in bar rechnen, wenn das neue Abkommen der Parteien Bestand hat", schrieb der "Independent" am Montag.Dabei soll die Europäische Union das meiste beisteuern.Allein 228 Mill.Pfund sind seit 1995 aus einem EU-Programm für Frieden und Versöhnung angewiesen worden.London hat 77 Mill.Pfund dazugegeben.Als Beitrag zur friedlichen Entwicklung Nordirlands werde das Programm wohl über das nächste Jahr hinweg ausgedehnt, erwartet die Regierung.Entsprechende Zusagen habe man erhalten. Aus dem Fonds für Regionalentwicklung und anderen EU-Programmen erwartet die britische Provinz mit der größten Bedürftigkeit im laufenden Jahr weitere 293 Mill.Pfund, fast zehn Prozent mehr als 1997.Schatzkanzler Gordon Brown will sich auf internationaler Ebene, etwa beim Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, um weitere Hilfe bemühen. Der britische Steuerzahler läßt sich Nordirland jetzt schon viel Kosten.Immerhin werden fast zwei Drittel des Bruttosozialprodukts mit staatlichen Mitteln aus London erwirtschaftet.Großbritannien finanziert ein Verwaltungsdefizit von jährlich drei bis vier Mrd.Pfund.Mit 5 484 Pfund (16 450 DM) sind die Regierungsausgaben pro Kopf der Bevölkerung in Nordirland deutlich höher als in Schottland, Wales oder gar England, wo 3 885 Pfund aufgewendet werden. Die Unruhen der vergangenen 30 Jahre belasteten Nordirland schwer.Dabei gingen in der Industrie Einnahmen und Arbeitsplätze verloren.Der Umfang neuer Investitionen aus dem Ausland blieb bescheiden, weil Nordirland immer wieder Schlagzeilen machte durch politische motivierte Morde und Bombenanschläge. Dies zeigte sich besonders im Tourismus.Gerade als endlich eine bescheidene irisch-nordirische Vermarktungsvereinbarung für die Branche vereinbart wurde, zerstörte die Aufkündigung der IRA- Waffenruhe 1996 den Aufwärtstrend.Prompt sanken die Besucher- und Übernachtungszahlen deutlich.Vor allem Amerikaner, die gerne auf die irische Insel reisen, blieben dem Norden fern.Jetzt, da Zuversicht für einen andauernden Frieden wächst, könnte der Tourismus - insbesondere in Kooperation mit Irland - eine wichtige Kraft bei der Ankurbelung der nordirischen Wirtschaft werden.

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