Wirtschaft : Friedenshoffnungen beflügeln den Euro

BONN/BERLIN/ROM (aho/mo/HB).Angesichts neuer Hoffnungen auf eine politische Lösung im Kosovo-Konflikt hat sich der Euro-Kurs am Donnerstag stabilisiert.Im Devisenhandel notierte die Gemeinschaftswährung mit 1,0402 Dollar und lag damit über dem Wert von Mittwoch abend.Am Donnerstag vormittag war der Euro zwischenzeitlich bis auf 1,0305 Dollar abgerutscht.

Unterdessen hat die Kursentwicklung der letzten Wochen zu einer öffentlichen Debatte über die Verläßlichkeit der europäischen Finanzpolitik und die dauerhafte Stabilität der europäischen Währung geführt.Nachdem am Mittwoch namhafte Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) den Vorwurf gemacht hatten, keinen klaren, transparenten Kurs zu verfolgen, lehnte EZB-Chef Wim Duisenberg am Donnerstag jeden Kommentar ab.Er habe alles gesagt."Denjenigen von Ihnen, die auf eine Erklärung zum Wechselkurs warten, rate ich, eine Kaffeepause zu machen", sagte er in Mailand.

Gleichwohl werden die europäischen Staats- und Regierungschef in ihrer Abschlußerklärung zum EU-Gipfel in Köln auch ein Bekenntnis für einen stabilen Euro abgeben.Das kündigte Klaus Gretschmann, der Leiter der Wirtschaftsabteilung im Bundeskanzleramt, in Köln an.Er berichtete, die Gipfelteilnehmer hätten über die aktuelle Euro-Schwäche beraten, nannte aber keine Einzelheiten.

Der Präsident des Insituts für Weltwirtschaft, Horst Siebert, sagte derweil dem Tagesspiegel, die Politik habe zuviel Druck auf die EZB ausgeübt.Es sei den Notenbankern zu wünschen, daß sie stark blieben.Kategorisch sprach sich Siebert gegen Zinserhöhungen zum jetzigen Zeitpunkt aus."Unsere Geldpolitik hat nur einen nominalen Anker.Das ist ein stabiles Preisniveau." Auch den Verkauf von Währungsreserven, wie ihn der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, zur Diskussion gestellt hatte, lehnt Siebert strikt ab.Es sei Sache der Politik, dafür zu sorgen, daß der Euro eine starke Währung werde, sagte er.

Friedrich Heinemann, Währungsfachmann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim, warnte vor Übertreibungen.Den Vorschlag von Euro-Skeptiker Wilhelm Hankel, den weiteren Zeitplan für die Währungsunion zu verschieben und die für 2002 geplante Ausgabe von Euro-Bargeld zu verschieben, bezeichnete Heinemann als "Unsinn".Ohne den Euro, so Heinemann, sei die Lage wesentlich schwieriger.Allein die Inflationsgefahren für die deutsche Volkswirtschaft wären in diesem Falle deutlich höher.Auch der Debatte um das überplanmäßige Haushaltsdefizit der Italiener kann Heinemann nur Positives abgewinnen: "Ohne Italien würden wir jetzt nicht so kritisch auf Deutschland, Frankreich oder andere Nationen schauen."

Derweil sagte der italienische Finanzminister Vincenzo Visco dem Handelsblatt: "Italien wird seine finanzpolitischen Verpflichtungen, die es im Maastrichter Vertrag und im Euro-Stabilitätspakt eingegangen ist, voll und ganz erfüllen." Mit dieser Versicherung wandte er sich gegen die vor allem in Deutschland geäußerte Kritik an der Abweichung Roms vom bisher vereinbarten Abbau des Staatsdefizits.Visco hat kein Verständnis dafür, daß die Änderung des diesjährigen Defizitziels auf 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) den Verdacht erneuert, in Italien kehre wieder der alte Schlendrian ein.Der Minister: "Die Kampagne gegen Italien ist völlig ungerechtfertigt."

Dabei wollten die Italiener ihr Haushaltsdefizit im laufenden Jahr ursprünglich nicht nur von zwei auf 2,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, sondern auf 2,7 Prozent erhöhen.Das erfuhr der Tagesspiegel aus Regierungskreisen am Rande des EU-Gipfels am Donnerstag in Köln.Um dies zu verhindern, hätten die Deutschen dem Vorschlag von 2,4 Prozent zugestimmt, hieß es.

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