Wirtschaft : Friedrich Schellmoser über die Erfolgsrezepte kleiner Medien-Titel

Herr Schellmoser[die Yahoos dieser Welt ziehen di]

Friedrich Schellmoser ist Small-Cap-Analyst der HypoVereinsbank. Henrik Mortsiefer sprach mit ihm über die Chancen kleiner Medien-Aktien.

Herr Schellmoser, die Yahoos dieser Welt ziehen die Aufmerksamkeit der Börse auf sich. Haben da kleine Medien-Nebenwerte aus Deutschland überhaupt eine Chance?

Medien- und Entertainment-Aktien laufen weltweit unisono, seien es die Aktien großer Konzerne wie Time Warner oder AOL oder die Papiere deutscher Mittelständler.

Aber können sich die Kleinen im Fusionspoker langfristig behaupten?

Behaupten werden sich vor allem jene Unternehmen, die Inhalte anbieten und zugleich eigene Vertriebswege haben. Schwierig wird es für die Intermediäre, die nur in der Distribution, etwa von Filmen, tätig sind. Der Zusammenschluss von Time Warner und AOL zeigt ja, wie sich Verkäufer und Käufer von Medieninhalten zusammentun, um auf allen Stufen der Verwertung Geld zu verdienen. Wer nur Inhalte oder nur Vertrieb anbietet, hat langfristig das Nachsehen.

Das heißt, diese Unternehmen gehen im Verbund großer Medien-Konglomerate auf?

Die Wahrscheinlichkeit steigt. Das heißt aber nicht, dass diese Werte vom Kurszettel verschwinden. Immerhin eröffnen sich im Windschatten der großen Player auch immer wieder interessante neue Märkte.

Gibt es noch Werte, die vom allgemeinen Kursauftrieb nicht profitiert haben und die Sie empfehlen können?

Ich sehe offen gestanden keine wirklich zurückgebliebenen Aktien. Die Branche ist insgesamt sehr gut gelaufen. Auf dem jetzigen Kursniveau würde ich nur wenige Investments empfehlen. Odeon Film, Cinemedia oder Helkon sind noch am interessantesten, weil die Kurse nur moderat gestiegen sind.

Wächst die Gefahr von Rückschlägen?

Ja. Der Medienbereich könnte Kurseinbrüche erleben. Die Gefahr steigt, wenn die ersten Firmen eingestehen müssen, dass sie die Kurse nicht mit Zahlen untermauern können. Das kann auf die Anleger zukommen. In den kommenden drei bis sechs Monaten halte ich das jedoch für unwahrscheinlich.

Einstweilen elektrisiert das Internet die Anleger. Die Gewinne aus diesem Geschäft lassen allerdings auf sich warten. Woran sollen sich Anleger orientieren?

Time Warner/AOL setzt hier wieder Maßstäbe: Da hat sich gefunden, was zusammengehört. Das Muster dieser Allianz wird Ziel aller global orientierten Medienunternehmen sein. In Deutschland reicht die Verwertungskette bisher noch nicht weit genug, weil die Infrastruktur etwa im Breitbandkabel noch nicht zur Verfügung steht. Das wird sich aber ändern. Bertelsmann hat angekündigt, im zweiten Halbjahr mit interaktivem TV zu beginnen. Das sind Vorboten einer Entwicklung, die den Markt umkrempelt.

Kooperationen mit großen Namen retten die Kleinen vor dem Bedeutungsverlust?

Die richtigen Kooperationspartner sind entscheidend. In Deutschland spielen dabei vor allem Verbindungen zur Kirch-Gruppe, Bertelsmann und T-Online eine wichtige Rolle.

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