Wirtschaft : Frischer Optimismus in der Handy-Branche

Mobile Surfer geben mehr Geld aus/T-Mobile und Vodafone D2 machen mehr Umsatz mit dem Internet

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Düsseldorf (slo/dih/HB). Die deutschen MobilfunkMarktführer T-Mobile und Vodafone rechnen trotz der hohen Handy-Dichte in Deutschland mit deutlichen Zuwachsraten. Obwohl bereits 70 Prozent aller Deutschen ein Mobiltelefon besitzen, werde das Wachstum anhalten. „Es wird weitergehen, so viel steht fest“, sagte Vodafone D2-Chef Jürgen von Kuczkowski dem Handelsblatt.

Als Vorbild für den deutschen Markt diene Italien: „In Italien sieht man das ja ganz deutlich: 95 Prozent der Italiener haben ein Handy, und der Markt dort wächst immer noch, die durchschnittlichen Kundenumsätze ebenfalls“, sagte von Kuczkowski. „Italien ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nach oben keine Beschränkung gibt.“ Vodafone D2 hat 23,3 Millionen Kunden und ist damit die Nummer zwei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. T-Mobile ist Marktführer mit 25,3 Millionen Kunden.

Die Einführung von neuen Handys, die eigens auf die mobilen Internet-Dienste der Mobilfunknetzbetreiber ausgelegt sind, beginnt sich für die Unternehmen auszuzahlen. „Mit den neuen Handys steigt die Datennutzung“, sagte T-Mobile-Chef René Obermann dem Handelsblatt. Ein Kunde, der etwa das T-Zones-Portal von T-Mobile mit einem neuen Handy nutze, setze zwischen vier und fünf Euro mehr um als ein Kunde, der ein älteres Gerät habe. Die Anzahl der Portalbesuche sei außerdem fast doppelt so hoch. Bisher hat das Unternehmen 450000 der neuen Handys verkauft.

Konkurrent Vodafone D2 hat im Oktober vergangenen Jahres entsprechende Geräte auf den Markt gebracht und bis Ende Juli 700000 Kunden für den Dienst Vodafone live angeworben. „Die Umsätze dieser Kunden steigen. Unterm Strich wird sich das aber erst bemerkbar machen, wenn wir mehrere Millionen Vodafone-live-Kunden haben“, sagte Jürgen von Kuczkowski.

Zu Unrecht werde behauptet, dass die Dienste nur von Teenagern genutzt würden, die sich Klingeltöne und Spiele auf ihr Handy herunterladen. „Die gleichen Leute, die das heute sagen, haben vor fünf Jahren gesagt, sie bräuchten keine Handys“, sagte Obermann. „Ob man sich Klingeltöne herunterlädt, ist doch keine Frage des Alters. Auch ich mache das, weil es Spaß macht. Ich nutze aber auch Business-Applikationen – wie das Abfragen von E-Mails von unterwegs.“

Um das Mobiltelefonieren und die Datennutzung noch attraktiver zu machen, müssen die Anbieter nach Ansicht von Vodafone-Vorstand von Kuczkowski ihr Preissystem ändern. Die Unternehmen haben bereits im Frühjahr ihre Preise für das Herunterladen von Daten via Handy gesenkt und damit mehr Kunden dazu gebracht, mobil zu surfen. „Das Datenvolumen in unseren Netzen hat sich von Monat zu Monat um 20 Prozent gesteigert“, sagte Obermann. „Die Preissenkung reicht aber noch nicht aus“, glaubt Vodafone-Vorstand Kuczkowski. Für den Kunden sei nicht richtig nachvollziehbar, dass bei den Datendiensten nach Volumen abgerechnet werde. „Wir müssen daher künftig stärker Ereignisse bepreisen und beispielsweise Festpreise für Lieder oder Spiele, die der Kunde sich herunterlädt, einführen“, so der Vodafone-Vorstand.

Eine neue Preissenkungsrunde bei den Gesprächsminuten erwarten weder T-Mobile noch Vodafone. Die jüngste Preissenkung des Konkurrenten E-Plus sei ein „Promotionangebot“, sagte Kuczkowski. „Außerdem kann das nicht wirtschaftlich sein. Das ist nicht der Weg, den wir gehen werden.“ Die Mobilfunkminute werde auf absehbare Zeit nicht billiger sein als die Festnetzminute. Dies sei so lange nicht möglich, „wie die Kosten im Mobilfunk höher sind. Und das ist der Fall“. „Der Mobilfunk wird dem Festnetz auch in puncto Preis und Bandbreite immer unterlegen sein“, glaubt T-Mobile-Chef Obermann.

Daran wird auch die Einführung der UMTS-Technologie nichts ändern, die das mobile Surfen schneller machen soll. Wann die ersten UMTS-Handys auf den Markt kommen, ist allerdings ungewiss. „Wir werden das Netz dieses Jahr in Betrieb nehmen. Das ist nicht die Frage“, sagte Obermann. „Was wir vielleicht etwas zu optimistisch eingeschätzt haben, war die Verfügbarkeit von UMTS-Mobiltelefonen.“ Da man nicht wisse, wann genügend solcher Geräte zur Verfügung stehen werden, werde sich T-Mobile nicht auf einen offiziellen Termin für einen breit angelegten Marktstart festlegen. Auch Jürgen von Kuczkowski räumte ein: „Wir haben die Komplexität der Technik unterschätzt, denn ein UMTS-Handy muss gleichzeitig auch in den bestehenden GSM-Netzen funktionieren.“ Am Erfolg von UMTS zweifeln die Marktführer aber nicht. „Seit der Lizenzvergabe haben sich für uns zwei Faktoren zum Besseren gewendet: Die Netz-Infrastruktur ist günstiger geworden, als wir es damals geplant haben. Und wir haben unseren Marktanteil gesteigert“, sagte T-Mobile-Chef Obermann. „Unsere Position hat sich dadurch verbessert.“

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