Wirtschaft : Frisches Geld für den neuen Airbus

Lufthansa hat eine Kapitalerhöhung um 750 Millionen Euro beschlossen – damit soll der A380 finanziert werden

Flora Wisdorff

Berlin – Die Deutsche Lufthansa hat am Dienstag überraschend eine Kapitalerhöhung um 20 Prozent angekündigt. Zweck der Aktion sei die Finanzierung der Markteinführung des neuen Großraumflugzeuges A380, sagte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber am Montag in Frankfurt. Mindestens 750 Millionen Euro würden der Lufthansa durch die Ausgabe von 76 Millionen neuen Aktien zur Verfügung stehen. Das Geld solle dazu dienen, das Geschäftsmodell noch stärker auf den Langstreckenverkehr zu konzentrieren, sagte Mayrhuber. An der Börse war die Lufthansa-Aktie zum Börsenschluss der größte Verlierer: Das Papier verlor 5,12 Prozent auf 11,49 Euro.

Die Lufthansa hat bei Airbus 15 A380 bestellt, die 2007 geliefert werden sollen. Der A380 wird das größte Flugzeug der Welt, 555 Passagiere können darin fliegen, wenn es wie bei der Lufthansa mit drei Klassen ausgestattet sein wird. Der A380 verbraucht 15 Prozent weniger Treibstoff und ist auch deshalb besonders attraktiv für die Fluggesellschaften. „Schon bei 15 Stück ist das ein Riesenwettbewerbsvorteil“, sagte Mayrhuber. Neben den Flugzeugen selbst kostet allerdings auch die Markteinführung Geld: Wegen der Größe des Flugzeuges müssen Flughäfen umgebaut werden, neue Wartungszentren gebaut und Piloten in Simulatoren geschult werden. Insgesamt werde die A380-Einführung bis 2006 4,7 Milliarden Euro kosten, sagte Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley.

Die Erlöse aus der Kapitalerhöhung sollen ausschließlich in den A380 fließen, betonte Mayrhuber. Spekulationen am Markt darüber, dass mit dem Geld Übernahmen finanziert werden sollten, könne er „nicht bestätigen“. Immer wieder gibt es Gerüchte, dass die Lufthansa die angeschlagene Schweizer Fluggesellschaft Swiss kaufen will.

Mayrhuber begründete die Kapitalerhöhung ausschließlich mit der Strategie, ín der Zukunft auf die Langstrecke und den A380 zu setzen. Die Lufthansa sei „gestärkt aus der Krise gekommen“ und wolle sich jetzt noch besser positionieren, mit einem „engmaschigen globalen Netzwerk“. Der A380 sei dazu gut geeignet, weil allein aus der Größe der Maschine weiteres Wachstum entstehen könne, sagte Mayrhuber. So könnten dann mehr Passagiere nach Tokio oder Delhi fliegen, und zwar ohne die Auflage neuer Flüge.

Den Zeitpunkt der Kapitalerhöhung begründete Finanzchef Kley damit, dass die Märkte jetzt dazu bereit seien. Zudem hätten die eigenen strategischen Ziele die Erhöhung jetzt gefordert. „Das ist die größte Kapitalerhöhung, die es jemals bei einer Fluggesellschaft gegeben hat“, sagte Kley. Natürlich habe man sich gewünscht, dass der Aktienkurs um ein, zwei Euro höher gewesen wäre. Der Zeitpunkt sei aber dennoch richtig gewesen. Kley zeigte sich zuversichtlich, dass die Kapitalerhöhung im Juni von den Märkten gut angenommen wird. „Es gibt wesentliche Vorteile für die Investoren“, sagte Kley: Der Kurs habe großes Potenzial, sich nach oben zu entwickeln. Zudem gehe er davon aus, dass die Lufthansa 2004 wieder eine Dividende zahlen werde. Im vergangenen Jahr war die Dividende wegen eines Milliardenverlustes ausgefallen. Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass es bergauf geht: Im traditionell schwachen ersten Quartal hat die Lufthansa den operativen Verlust deutlich um rund 72 Prozent auf 116 Millionen Euro verringert.

Die Aktien würden von einem Bankenkonsortium unter der Führung der Investmentbanken Dresdner Kleinwort Wasserstein und Morgan Stanley zum Preis von mindesten 9,85 Euro pro Aktie übernommen, der endgültige Bezugspreis werde voraussichtlich am 1. Juni bekannt gegeben, sagte Kley. Die Aktionäre können dann vom 3. bis 16. Juni ihr Bezugsrecht ausüben und eine neue Aktie für je fünf alte Aktien beziehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben