Friseure : Kleine Betriebe profitieren vom Mindestlohn

Sei ein paar Tagen gibt es den gesetzlichen Mindestlohn. Im Friseurhandwerk gibt es darüber sogar einen Tarif. Und die Erfahrungen sind gut.

von
Nur Schneiden reicht heute nicht mehr. Rund um das Thema Beauty ist inzwischen die Expertise von Friseuren gefragt.
Foto: picture-alliance

Die Friseure rechnen nicht mit negativen Auswirkungen des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns. “Ich gehe davon aus, dass die traditionellen Betriebe mit drei bis zehn Mitarbeitern nun durch den Mindestlohn sogar gestärkt werden”, sagte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks dem “Tagesspiegel”. Durch den Trend zum Billigfriseur und die damit verbundene teilweise schlechte Bezahlung sei die Zahl der angestellten Friseure in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Es seien immer mehr Ein-Personen-Betriebe entstanden. “Durch den Mindestlohn wird sich die Zahl der Angestellten ebenso stabilisieren wie die Zahl der Auszubildenden”, sagte Müller weiter.

In 80 000 Salons arbeiten 191 000 Friseure

Anders als andere Branchen wie die Gastronomie oder das Bäckerhandwerk fürchten die Friseure auch keine Umsatzeinbußen durch die Lohnuntergrenze. “Die Umsätze im Friseurhandwerk werden nicht sinken”, prognostizierte Müller. Für das abgelaufene Jahr geht er von etwa zwei Prozent plus aus. “Für 2015 wäre es dann schön, wenn wir uns auf diesem Niveau stabilisieren.” 2013 hatte der Erlös der Branche bei 5,9 Milliarden Euro gelegen (plus 1,5 Prozent). Der Zentralverband vertritt die Interessen der gut 80.000 Friseursalons hierzulande mit insgesamt 191.000 Beschäftigten. Darunter sind viele Klein- und Kleinstbetriebe: Lediglich knapp 54.000 Salons sind überhaupt umsatzsteuerpflichtig.

Mit der Gewerkschaft Verdi hatte sich der Verband bereits 2013 auf einen schrittweise steigenden Mindestlohn verständigt. Derzeit liegt er bei acht Euro pro Stunde im Westen und 7,50 Euro im Osten. Ab 1. August gelten bundesweit mindestens 8,50 Euro.

Schwarzarbeit ist weit verbreitet

In Deutschland gehen lediglich 70 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer regelmäßig zum Friseur. "Der Schwarzmarkt ist auch im Friseurhandwerk nach wie vor ein echtes Problem”, sagte Jörg Müller. Das bedeute zwar nicht, dass sich die übrigen 30 beziehungsweise 40 Prozent der Menschen ihren Haarschnitt an der Steuer vorbei besorgten. Aber: “Sicher ist das bei einem großen Teil der Fall”, betonte Müller. Er schätzt den Anteil der Schwarzarbeit auf 15 bis 20 Prozent des Branchenumsatzes von sechs Milliarden Euro Der Mindestlohn setze ein deutliches Zeichen gegen Schwarzarbeit, sagte Müller. “Er wird dazu beitragen, dass Friseure im Salon ihre Dienstleistungen erbringen.”  

Das ausführliche Interview lesen Sie in der Montagausgabe des Tagesspiegels.

 

Autor

11 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben