Frist nicht eingehalten : Karstadt-Verkauf wird zur Hängepartie

Karstadt und ein kein Ende: Die Verhandlungen ziehen sich hin, während die Gläubiger sich bei Zugeständnissen zieren.

Essen - Die 25 000 Karstadt-Beschäftigten können noch immer nicht aufatmen. Spätestens am Sonntag hätte eigentlich der Kaufvertrag für die insolvente Warenhauskette durch den Investor Nicolas Berggruen unterzeichnet werden müssen. Doch nach Informationen aus Verhandlungskreisen war diese Frist nicht einzuhalten.

Nun tritt automatisch ein Vorratsbeschluss in Kraft, den der Karstadt-Gläubigerausschuss vergangenen Donnerstag in Essen gefasst hatte. Dieser Beschluss versetzt den Insolvenzverwalter und das Essener Insolvenzgericht in die Lage, die Frist für den Kaufvertrag am kommenden Dienstag noch einmal zu verlängern.

Es hapert noch immer an den Mietbedingungen für Berggruen. Der deutsch-amerikanische Investor, Sohn des Kunstmäzens Heinz Berggruen, verlangt vom Vermieterkonsortium Highstreet eine deutliche Mietminderung. Highstreet ist dazu grundsätzlich bereit, hat aber dutzende Gläubiger, die alle ihr Einverständnis geben müssen. Und das kann dem Vernehmen nach noch dauern.

Die nächste Etappe findet am Dienstag vor dem Essener Insolvenzgericht statt. Dort muss der Insolvenzverwalter die Lage schildern, dann entscheidet das Gericht, ob das insolvente Unternehmen weiteren Aufschub bekommt. Die Kaufofferte des italienischen Warenhausbetreibers Maurizio Borletti hat der Gläubigerausschuss verworfen.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte am Wochenende die nervenzehrenden Verzögerungen. Es gehe um die Existenz von 25 000 Karstadt-Beschäftigten und 30 000 Mitarbeitern bei Lieferanten und anderen Dienstleistern, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane der „Bild am Sonntag“. „Um dem Unternehmen eine dauerhafte Perspektive zu sichern, sind alle Beteiligten dazu verpflichtet, jetzt zügig und konstruktiv die letzten Hindernisse aus dem Weg zu räumen.“

Metro-Chef Eckhard Cordes macht sich derweil noch immer Hoffnungen auf Karstadt. Er will Karstadt weiterhin mit Metros Kette Kaufhof zusammenlegen. In der „Welt am Sonntag“ sagte er, für zwei Ketten sei der deutsche Markt einfach zu klein. „Irgendwann wird es zu einem Zusammenschluss kommen, wann und unter welchen Umständen auch immer.“

Sinnvoll wäre für ihn sogar ein europäischer Zusammenschluss. „Eine solche wie auch immer geartete europäische Warenhausallianz hätte viel Charme“, meinte Cordes. Gleichzeitig wandte er sich gegen die Auffassung, das Konzept Kaufhaus sei generell überholt. „Es gibt riesige Renditeunterschiede zwischen den Häusern derselben Ketten in Deutschland. Und zumeist sind diese Unterschiede wesentlich vom Standort geprägt. Wenn man sich auf die guten Plätze konzentriert, kann man auch mit Warenhäusern in Deutschland gutes Geld verdienen.“ dpa

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