Wirtschaft : Fritten-Flaute in den USA

Jill Carroll,Shirley Leung

Seit den 90er Jahren haben Amerikaner von Jahr zu Jahr mehr Pommes Frites verschlungen. Der Appetit im Ausland wuchs sogar noch schneller. Kaum ein Jahr verging, in dem Frittenhersteller nicht eine neue Fabrik gebaut haben, um der Nachfrage nachzukommen. Doch die Zeiten gewaltigen Wachstums sind vorbei. Der Konsum von Pommes Frites wird im Geschäftsjahr 2001 / 2002 um knapp ein Prozent zurückgehen, sagt das US-Landwirtschaftsministerium. Die Folge: Eine Fritten-Schwemme überrollt die USA.

Klar, noch immer essen die Amerikaner viel Pommes Frites: pro Person rund 12,6 Kilo im Jahr. Allerdings ist der Verzehr "so lange und so stark gestiegen, dass er an einem Punkt angelangt ist, wo man sich fragen muss, wie viel mehr jeder überhaupt noch essen kann", sagte Charles Plummer, Kartoffel-Experte im US-Landwirtschaftsministerium. Das größte Problem der FrittenBranche ist, dass die rasche Expansion der Fast-Food-Ketten vorbei ist. Bei Mc Donalds, Burger King und Co werden 90 Prozent der in den USA konsumierten Pommes Frites verkauft. Doch Mc Donalds ist nicht mehr die größte Fast-Food-Kette in Amerika. In diesem Jahr hat die US-Kette Subway Restaurants den vordersten Rang eingenommen. Und Subway verkauft keine Pommes Frites, sondern frische Sandwichs und Salate. Der Trend weg von Pommes Frites hat also auch mit dem neuen Gesundheitsbewusstsein der Amerikaner zu tun.

"Ich esse überhaupt nicht mehr bei Mc Donalds", sagt die Büroangestellte Chandra Brooks aus Washington. Sie habe "Burger und dieses Zeug satt". Imbiss-Ketten gehen auf diesen Wandel der Vorlieben ein und bieten jetzt Alternativen zu Fritten - etwa gefüllte Jalapeno-Pfefferschoten oder gebratenen Mozzarella.

Nach Angaben des US-Branchenverbandes National Restaurant Association sank der Umsatz mit Pommes Frites im vergangenen Jahr in allen Restaurants und auch Fast-Food-Läden um ein Prozent. Die Pommes Frites-Branche sieht dem nicht tatenlos zu. Mc Cain verkauft jetzt "X-Treme"-Fritten mit scharfen Saucen wie "Sassy Salt and Vinegar" und "Jalapeno Fire Fries". Der Hersteller von Tiekühl-Fritten Ore-Ida kündigte diesen Monat an, seine Produktpalette zu erweitern. Pommes Frites in Blauton, mit Schokoladen- oder mit Zucker-Zimt-Geschmack sollen dazu kommen - für den Frühstücksbedarf.

Ebenso wie der US-Konsum geht auch der Export zurück. Der japanische Markt - der größte Fritten-Importeur - sei gesättigt, heißt es in der Branche. Und der vielversprechende chinesische Markt sei nur schwer zu erschließen. Als ob das nicht genug wäre, machen der US-Branche auch noch preiswertere kanadische Importe zu schaffen. Als Reaktion auf die Fritten-Flaute fahren die amerikanischen Hersteller die Produktion zurück. So hat Mc Cain auf unbeschränkte Zeit seine Pläne für eine zweite Fabrik in Maine verschoben. Der US-Output an Fritten, der im vergangenen Jahr um fünf Prozent gewachsen ist, soll in diesem Jahr um drei Prozent schrumpfen, heißt es im US-Landwirtschaftsministerium. Trotzdem hoffen die Frittenhersteller, dass die Nachfrage wieder anzieht. Sie setzen ihre Hoffnung auf eine Erholung der US-Konjunktur, auf eine Fortsetzung der Expansion bei den Fast-FoodKetten und auf eine stärkere Präsenz in China. Und sie meiden die Produktion in den USA: So will der Fritten-Hersteller Simplot eine Fabrik in Kanada bauen und trägt sich mit Plänen für eine neue Produktionsstätte in England.

Vielleicht liegt die Zukunft der Pommes Frites aber auch woanders - jenseits der Kartoffel. Ein Wissenschaftler des Landwirtschaftsministeriums hat aus einem Reismehlgemisch eine neue Fritte entwickelt. Diese absorbiert beim Frittieren rund 30 Prozent weniger Fett. Das Ministerium hat kürzlich die "Reis-Fritten" patentiert.

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