Wirtschaft : Front gegen Insiderhandel

FRANKFURT/MAIN (hk/HB).Insiderbekämpfung ähnelt zwar der Suche nach der Nadel im Heuhaufen, kann aber sehr erfolgreich sein und sollte nicht allein an den "Fällen" gemessen werden.Für das seit 1995 aktive Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) hat die Prävention Priorität.Das hierzulande noch junge Insiderrecht hat jedenfalls das Bewußtsein der Marktteilnehmer positiv verändert und auch viel Anerkennung im Ausland eingebracht.BAWe-Präsident Georg Wittich zog deshalb vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten eine positive Bilanz der Arbeit seiner Behörde: "Ich bin der festen Überzeugung, daß wir den Insiderhandel zurückgedrängt haben."

Im laufenden Jahr sind aufgrund der behördlichen Insideruntersuchungen vier Strafbefehle ergangen, insgesamt 13 seit 1995.Auf der anderen Seite wurden seither 47 Verfahren eingestellt.Zum Fall Prior vertrat Wittich die Auffassung, daß die Kenntnis von einer bevorstehenden Empfehlung in einem Medium mit großer Breitenwirkung (Fernsehen/3satBörse) eine Insiderinformation sei.Der BAWe-Präsident räumte ein, daß hier juristisches Neuland betreten werde.Er sei aber durchaus froh, wenn es durch diesen Fall - und damit zu einem wichtigen Sachverhalt - zum ersten Mal überhaupt zu einer Rechtsprechung durch Gerichte kommen würde.Kein Handlungsbedarf - also kein Insiderverdacht - besteht für Wittich im Bereich der Analystenempfehlungen, die mitunter kräftige Kursbewegungen an der Börse zur Folge haben.

Insgesamt sei 1998 ein sehr ereignisreiches Jahr gewesen, betonte Wittich unter Hinweis auf die neu hinzugekommenden Überwachungsaufgaben für den grauen Kapitalmarkt mit seinen bei der Bankenaufsicht in Berlin mittlerweile rund 3500 bis 3600 angemeldeten Finanzdienstleistern.Das BAWe, das nach der Zulassung durch Berlin im Sinne des Anlegerschutzes für diesen Markt zuständig ist, hat bereits 13 Sonderprüfungen durchgeführt und in einigen Fällen auch Mißstände aufgedeckt."Wir wollen die schwarzen Schafe ausmerzen", betonte Wittich und nannte als Beispiele für Mißstände die Gebührenschinderei und den aggressiven Telefonverkauf von hochspekulativen Finanzprodukten.

Eine neue Herausforderungen für nationale Aufsichtssysteme seien grenzüberschreitende Börsenkooperationen.Laut Wittich gibt es aber schon viele Ansätze in Europa für die Formulierung einheitlicher Standards und Regeln.

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