Wirtschaft : Front gegen Microsoft weicht auf

WASHINGTON (rtr).Der Rückzug des Bundesstaats South Carolina aus dem Kartellprozeß gegen den Software-Riesen Microsoft hat nach Ansicht des US-Justizministeriums keinen Einfluß auf das Verfahren.Der Schritt habe "null Wirkung" auf den Fall, sagte eine Ministeriumssprecherin am Montag abend in Washington.Andere Bundesstaaten, die Microsoft wegen wettbewerbswidriger Geschäftspraktiken verklagt haben, sprachen von einem "Nichtereignis".South Carolina erklärte, man ziehe die Klage zurück, weil der Wettbewerb mittlerweile stark genug sei.Microsoft schlug den übrigen Klägern eine Denkpause vor.Der Aktienkurs des Software-Konzerns schnellte auf Rehordhöhe empor.

Die US-Regierung und 20 Bundesstaaten hatten Microsoft wegen unlauteren Wettbewerbs verklagt.Die Kartellwächter werfen dem Konzern vor, seine dominierende Stellung bei Betriebssystemen auszunutzen, um Konkurrenten - vor allem den Internet-Pionier Netscape und die Softwarefirma Sun Microsystems - zu verdrängen.Microsoft bestreitet die Vorwürfe.

Der Justizminister South Carolinas, Charles Condon, erklärte, mittlerweile gebe es unter den Internet-Firmen genügend Konkurrenz.Er verwies auf die Übernahme Netscapes durch den Onlinedienst AOL und deren Kooperation mit Sun.Weitere staatliche Eingriffe oder Regulierungen seien daher unnötig und unklug, sagte Condon weiter.South Carolina ist damit der erste und bislang einzige Bundesstaat, der seine Kartellklage gegen Microsoft zurückzieht.

Ein Sprecher des Justizministeriums des Staates New York sagte, die Entscheidung South Carolinas werde keinen Einfluß auf den Prozeß haben.Die Rolle des Bundesstaates sei ohnehin minimal gewesen.Iowas Justizminister Tom Miller erklärte, die Regierung habe im bisherigen Prozeßverlauf beträchtliche Beweise für mutmaßliche Wettbewerbsverstöße Microsofts vorgelegt.Er rechne nicht damit, daß ein anderer Bundesstaat die Klage zurückziehen werde, fügte Miller hinzu.Microsoft-Chefberater William Neukom erklärte vor Journalisten, die übrigen Bundesstaaten sollten eine Denkpause einlegen, um die Fortsetzung ihrer Klage zu prüfen.Neukom ergänzte, Microsoft habe bei Gericht interne Unterlagen über das Bündnis von America Online (AOL), Netscape und Sun angefordert.Diese Dokumente könnten Aufschluß darüber geben, daß Diskussionen von High-Tech-Firmen, wie sie Microsoft zur Last gelegt würden, in den Branche üblich seien, sagte Neukom.

Der per Satellitenverbindung zugeschaltete Microsoft-Chef Bill Gates erneuerte seine Kritik an dem Kartellverfahren.Chefankläger David Boies sei in Wahrheit darauf aus, Microsoft zu zerstören, erklärte Gates.

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