Wirtschaft : FRÜHER IN RENTE DURCH ZUSATZBEITRÄGE

Während das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung beständig sinkt, fordern SPD-Experten mehr Möglichkeiten für Versicherte, der Rentenkasse zusätzliche Beiträge zu entrichten. Es sei „sinnvoll, das Instrument der Entrichtung zusätzlicher Beiträge flexibler zu handhaben, damit es tatsächlich zur Anwendung kommen kann“, heißt es im Abschlussbericht einer SPD-Arbeitsgruppe unter Leitung der beiden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Elke Ferner und Ludwig Stiegler für den Parteitag am kommenden Wochenende. Dahinter steht der Wunsch, Arbeitnehmern für den Fall, dass sie vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen (müssen), die Möglichkeit zu geben, das Risiko hoher Rentenabschläge zu verringern.

Zusätzliche Beiträge einzahlen können Versicherte zwar jetzt schon – allerdings wird diese Möglichkeit bisher kaum genutzt. Wohl auch aus Kostengründen: Wer sich entschließt, zwei Jahre früher in Rente zu gehen, müsste – bei 45 Beitragsjahren sowie durchschnittlichem Bruttoeinkommen und Versicherungsverlauf – fünf Jahre vorher 20 000 Euro aufbringen, um seine Abschläge in Höhe von 7,2 Prozent zu kompensieren. Bei Ratenzahlung wären dafür monatlich mehr als 333 Euro fällig. Außerdem müssen die Einzahler pflichtversichert sein und sich auch auf ihren früheren Rentenzugang festgelegt haben – denn die Zusatzbeiträge dienen ausschließlich der Kompensation der dann fälligen Abschläge. Wer also überraschend, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, früher in Rente muss, wird kaum auf diese Weise vorgesorgt haben.

Die SPD-Experten fordern nun, allen Versicherten die Möglichkeit freiwilliger Zusatzzahlungen zu geben – unabhängig von einer Entscheidung über vorzeitige Rente. Dadurch wäre eine kontinuierliche Zahlung während des gesamten

Erwerbslebens
möglich,

argumentieren sie. Die

Zusatzbelastung wäre

leichter zu schultern. Gleichzeitig müssten die Zusatzbeiträge dann auch bei ganz regulärem Renteneintritt verfügbar sein und der Rentenaufbesserung dienen können.

Zudem sollte es auch Arbeitgebern ermöglicht werden, für ihre Beschäftigten zusätzliche Rentenbeiträge einzuzahlen, heißt es in dem Papier. Wenn zum Beispiel die Tarifpartner vorab regeln würden, bei welchen Jobs durch gesundheitlich belastende Arbeitsbedingungen ein früherer Rentenzugang oder eine Erwerbsminderung wahrscheinlich sei, könne damit auch dem Verursacherprinzip Rechnung getragen werden. Auch besondere Erschwerniszulagen könnten dann direkt in die Rentenversicherung fließen. raw

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