Wirtschaft : Früher Schluss machen

Die letzten Berufsjahre: Ältere Arbeitnehmer können Stunden reduzieren und in Altersteilzeit gehen – wenn der Arbeitgeber mitmacht.

Verena Wolff[dpa]

Zur Jahrtausendwende reifte in Reinhard Unger eine Idee. Er hatte von der Möglichkeit gelesen, das Berufsleben langsam ausklingen zu lassen und in Altersteilzeit zu gehen. Der Lehrer für Mathematik und Physik an einem Gymnasium in Meisenheim in Rheinland-Pfalz erkundigte sich genauer. „Für den öffentlichen Dienst wurde das so genannte Blockmodell angeboten. Vier Jahre voll arbeiten und dann bis zu vier Jahre in die Freistellungsphase zu dem entsprechenden Anteil der Bezüge“, sagt er. In den Sommerferien hat er in Ruhe überlegt – und ist zu dem Entschluss gekommen, es zu machen.

Mit dem Schulleiter besprach er das Prozedere. Nach den Sommerferien 2002 begann dann die Altersteilzeit für ihn. Zunächst änderte sich an seinen Arbeitszeiten allerdings nichts. Er war Vollzeit tätig. „Die andere Variante, mit reduzierter Stundenzahl zu arbeiten, funktioniert als Lehrer nicht“, sagt Unger. Schließlich gebe es Konferenzen, Elternsprechtage, volle Stundenpläne. „Mit vier Stunden am Tag oder drei Tagen die Woche kommt man da nicht hin.“ Nach vier Jahren begann die Freistellungsphase, die zweite Hälfte seiner acht Jahre dauernden Altersteilzeit.

Stunden reduzieren kann fast jeder Arbeitnehmer. Ältere Beschäftigte arbeiten dann weniger Stunden, der Arbeitgeber stockt das reduzierte Entgelt aber auf. Im öffentlichen Dienst ist das Modell nicht selten, auch in anderen Unternehmen gibt es verschiedene Variationen der Altersteilzeit: „Aber: Das ist eine freiwillige Sache des Arbeitgebers“, sagt Valentine Reckow, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Berlin. Das Altersteilzeitgesetz regelt die Voraussetzungen dafür, in den letzten Berufsjahren reduzierte Stunden zu arbeiten. „Aber wenn es keinen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung gibt, in der sie geregelt ist, kann niemand die Altersteilzeit einklagen.“ Bis 2009 hat die Bundesagentur für Arbeit den frühzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben sogar finanziell gefördert. „Das gibt es allerdings nicht mehr“, sagt sie.

Für die Möglichkeit der Altersteilzeit müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, erklärt Andreas Feuser, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung in Berlin. „Arbeitnehmer müssen das 55. Lebensjahr vollendet haben und innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der Altersteilzeit mindestens 1080 Kalendertage versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.“ Dann können sie sich mit dem Vorgesetzten über die reduzierte Stundenzahl unterhalten.

Für die Altersteilzeit gibt es verschiedene Möglichkeiten: „Das Blockmodell ist eine Variante, bei dem der Arbeitnehmer eine gewisse Zeit volle Stunden zum halben Lohn arbeitet.“ Der Lohn wird dabei vom Arbeitgeber um mindestens 20 Prozent aufgestockt, so schreibt es der Gesetzgeber vor (Paragraf 3 Altersteilzeitgesetz). Manche Tarifverträge oder Vereinbarungen sehen sogar eine höhere Aufstockung vor. In der Freistellungsphase, die sich direkt daran anschließt, arbeitet er gar nicht mehr, bekommt aber weiterhin den halben Lohn. Andere Modelle sind die Halbtagsbeschäftigung, oder Arbeit und Freistellung im Wechsel.

Für viele rechnet sich das, weil sie bis zum Rentenalter formell angestellt sind und der Arbeitgeber während der gesamten Zeit Beiträge etwa in die Rentenversicherung für sie zahlt. Das gilt selbst dann, wenn die Arbeitnehmer in der Freistellungsphase sind und nicht mehr arbeiten. Dadurch bekommen sie ihre Rente schließlich ohne Abzüge. Die Abschläge würde ein Rentner haben, wenn er sich in die Rente verabschiedet, bevor er das reguläre Rentenalter erreicht hat.

Reinhard Unger hat seinen Entschluss nie bereut, nach 33 Jahren im Schuldienst aufgehört zu haben. „Ich bin zu Beginn des Schuljahres in den Urlaub gefahren und habe mir überlegt, in welcher Konferenz ich jetzt gerade sitzen müsste“, sagt er. Verena Wolff, dpa

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