Frühjahrsaufschwung : Arbeitslosenquote sinkt auf niedrigsten Wert seit 24 Jahren

Die Arbeitslosenquote sinkt auf einen bemerkenswert niedrigen Wert: Dank des Frühjahrsaufschwungs sind derzeit so wenige Menschen arbeitslos wie zuletzt im Jahr 1991. Die gute Situation färbt auch auf den Markt in Berlin und Brandenburg ab.

Arbeitslosenzahlen wie vor 24 Jahren: Der deutsche Job-Markt steht gut da.
Arbeitslosenzahlen wie vor 24 Jahren: Der deutsche Job-Markt steht gut da.Foto: dpa / Oliver Berg

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist dank des Frühjahrsaufschwungs auf den niedrigsten Mai-Wert seit 24 Jahren gesunken. Die Zahl der Jobsucher ging im Vergleich zum Vormonat um 81 000 auf 2,762 Millionen zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Dadurch sank die Arbeitslosenquote um 0,2 Punkte auf 6,3 Prozent. Ähnlich stark war die Mai-Arbeitslosigkeit im Schnitt der vergangenen drei Jahre zurückgegangen.

Auf dem Berliner Arbeitsmarkt sieht es ähnlich gut aus: Im Mai 2015 waren in Berlin insgesamt 196.353 Arbeitslose gemeldet, 4.624 weniger als im April 2015 und 7.756 weniger als im Mai 2014. Die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen lag im Mai 2015 bei 196.000. Das waren 1.000 weniger als im April und 8.000 weniger als im Mai 2014. Die Arbeitslosenquote lag im Mai 2015 mit 10,8 Prozent um 0,2 Prozentpunkte unter der des April und um 0,3 Prozentpunkte unter dem Wert vom Mai 2014.

Auch saisonbereinigt sank die Arbeitslosenzahl

In Brandenburg waren im Mai 2015 insgesamt 112.921 Arbeitslose gemeldet, 5.245 weniger als im April und 10.897 weniger als im Mai 2014. Die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen lag im Mai 2015 bei 115.000. Das waren 1.000 weniger als im April und 11.000 weniger als im Mai 2014. Die Arbeitslosenquote lag im Mai mit 8,5 Prozent um 0,4 Prozentpunkte unter der des April und um 0,8 Prozentpunkte unter dem Wert vom Mai 2014.

„Obwohl sich das Wirtschaftswachstum zuletzt etwas abgeschwächt hat, entwickelt sich der Arbeitsmarkt weiterhin günstig“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Erwerbslosigkeit um 120 000 zurück.

Hauptgrund für den Rückgang war der Frühjahrsaufschwung. Mit dem Ende des Winters stellen Betriebe etwa auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder Gastronomie regelmäßig verstärkt Mitarbeiter ein. Trotz dieses Effektes ging im Mai auch die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl um 6000 auf 2,786 Millionen zurück.

Mindestlohn beeinflusst Arbeitslosenzahl

Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl sank diesmal allerdings nur im Westen Deutschlands; im Osten stagnierte sie. Dies könnte nach Ansicht von Ökonomen auf die Mindestlohn-Regelung zurückzuführen sein. Diese habe in Ostdeutschland vor allem zum Abbau geringfügiger Beschäftigung geführt. Einen Beschäftigungsaufbau habe es nicht gegeben.

Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung entwickelten sich saisonbereinigt ebenfalls positiv. So legte die Zahl der Erwerbstätigen nach den jüngsten Daten vom April um 21 000 auf 42,65 Millionen zu - im Vergleich zum Vorjahresmonat ist dies ein Plus von 208 000. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg um 78 000 auf 30,47 Millionen. Damit legte die Zahl der regulär Beschäftigten binnen Jahresfrist um 537 000 zu (Märzdaten).

Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg weiter. Im Mai waren bei den Arbeitsagenturen 557 000 offene Stellen gemeldet, 75 000 mehr als vor einem Jahr. Besonders gesucht sind derzeit Mitarbeiter in den Berufsfeldern Metallerzeugung, Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik sowie Verkauf. Es folgen Jobs in Verkehr und Logistik, Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie in der Gesundheitsbranche.

Für die kommenden Monate gehen Arbeitsmarktforscher und Bankenvolkswirte nur noch von einer geringen Dynamik auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus. Zwar rechnen sie in diesem Jahr weiter mit sinkender Arbeitslosigkeit, aber mit verringertem Tempo. (dpa)

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