Frühling im Winter : Warme Weihnachten - ist das schon der Klimawandel?

Blühende Bäume statt vereiste Straßen: Viele Menschen freuen sich über den milderen Winter. Doch die frühlingshaften Temperaturen haben eine Kehrseite. Interview mit einem Klima-Experten.

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Magnolienknospen. Der wärmste Winter seit langem bringt die Natur durcheinander.
Magnolienknospen. Der wärmste Winter seit langem bringt die Natur durcheinander.Foto: dpa

Herr Höppe, in Deutschland wird es immer wärmer. Weihnachten hatten wir frühlingshafte Temperaturen. Ist das schon der Klimawandel?

Ein Stück weit ist es Wetter, also Zufall, aber der warme Winter hat mit großer Wahrscheinlichkeit auch schon mit dem Klimawandel zu tun. Die warmen Episoden häufen sich. Schon die letzten beiden Winter waren recht warm. Das beste Maß für den Klimawandel ist aber die globale Mitteltemperatur. Und was diese angeht, so hat 2015 den Rekord des Vorjahres noch einmal deutlich übertroffen. Das ist ein klares Signal, dass es mit den Temperaturen nach oben geht. Verschärft wird das Ganze in diesem Jahr aber noch durch El Nino. In den starken El-Nino-Jahren ist die globale Temperatur immer etwas höher.

Wie hoch ist denn die globale Mitteltemperatur?

In diesem Jahr ist die globale Mitteltemperatur im Vergleich zum Vorjahr um gut 0,1 Grad Celsius höher und dürfte bei 14,7 Grad C liegen.

0,1 Grad, das klingt aber nicht nach einem großen Anstieg.

Ist es aber. Wir hatten im gesamten letzten Jahrhundert eine Erhöhung um 0,85 Grad Celsius, und das hat zu deutlich messbaren Wetterveränderungen geführt. Und Sie müssen sehen: Wenn die Temperatur global um ein Grad steigt, gibt es Regionen, in denen der Anstieg viel, viel höher ist. Das merken wir auch hier in Europa. In den Alpen ist die Durchschnittstemperatur um zwei Grad gestiegen, in der Arktis sind es sogar drei Grad und mehr.

Viele Menschen in Deutschland freuen sich darüber, dass es wärmer wird. Was kommt auf uns zu?

Wir können den Klimawandel managen. Wir liegen in einer gemäßigten Klimazone, haben das Know-How und das Geld für nötige Anpassungen. Da sind vor allem der Küsten- und der Hochwasserschutz gefordert und man muss die Menschen über Frühwarnsysteme über drohende Hitzewellen informieren.

Also keine Probleme?

Doch. Nicht nur, dass wir mehr Hitzewellen und Unwetter zu erwarten haben. Auch die Bäume haben Schwierigkeiten, für die Fichtenwälder wird es zu warm und zu trocken. Weitaus größere Probleme bekommen aber Menschen in Regionen, in denen es jetzt schon heiß und trocken ist. Wenn die Temperaturen weiter steigen, können die Menschen dort womöglich nicht mehr leben. Dann werden sie in Länder auswandern, in denen das Klima milder ist – also etwa zu uns. Die Migration wird zunehmen. Auf der Klimakonferenz in Paris haben sich die Staaten auf ehrgeizige Ziele geeinigt, wie sie die Erderwärmung stoppen wollen.

Peter Höppe leitet die Geo-Risiko-Forschung der Munich Re.
Peter Höppe leitet die Geo-Risiko-Forschung der Munich Re.Foto: Munich Re

Schaffen wir noch die Wende, oder ist es schon zu spät?

Zu spät für was? Den Klimawandel können wir nicht mehr stoppen, aber wir können ihn auf ein Maß eindämmen, das beherrschbar ist. Die Klimakonferenz in Paris war ein großer Fortschritt. Es ist jetzt wahrscheinlicher, dass wir es schaffen, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Man kann sicherlich kritisieren, dass es keine Sanktionen gibt, wenn sich Regierungen nicht an das Übereinkommen halten und man wird mit Sicherheit die freiwilligen Reduktionsziele noch verschärfen müssen, aber das Abkommen von Paris ist das beste, was wir bisher bekommen haben.

Peter Höppe leitet die Geo-Risiko-Forschung des weltgrößten Rückversicherers Munich Re. Der Konzern engagiert sich seit langem für Klimaschutz und -forschung. Das Gespräch führte Heike Jahberg.

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