Wirtschaft : Frühlingsboten an der deutschen Börse

Der Dax steht kurz vor 4400 Punkten – Experten erwarten, dass er die Hürde bald nehmen wird

henrik Mortsiefer,Andreas Oswald

Berlin - An der Börse hat der Frühling schon begonnen: Der Deutsche Aktienindex behauptete sich am Dienstag zwar nur knapp oberhalb seines Vortagesniveaus. Die Marke von 4400 Punkten blieb aber in Reichweite. Bis zum Schluss stieg der Dax um 0,1 Prozent auf 4371,39 Zähler. Allein in den vergangenen zehn Tagen hat der Index 200 Punkte zugelegt – rund 4,2 Prozent. Dieser Trend könnte in den kommenden Wochen anhalten, glauben Analysten. Einige schließen gar einen raschen Anstieg bis auf 4700 Punkte nicht aus.

Für das zweite Halbjahr geben viele Experten aber eine Warnung: „Die zweite Hälfte des Jahres wird schwächer, 2004 war es genau andersherum“, sagte Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, dem Tagesspiegel. Ihre Kollegen aus der Aktienmarktstrategie fürchten, dass der „Risikoappetit der Anleger bald nachlassen“ könnte.

Doch kurzfristig sieht die Mehrheit der Anleger der Kursentwicklung sehr gelassen entgegen. Abzulesen ist dies zum Beispiel am so genannten V-Dax, dem Volatilitätsindex. Er misst die von den Marktteilnehmern erwartete Kursschwankung innerhalb der nächsten 45 Kalendertage. Der Index ist binnen zwölf Monaten um 45 Prozent gesunken und notiert auf dem niedrigsten Stand seit Ende 1996.

Mit Blick auf die kurzfristig erwartete Dax-Entwicklung empfiehlt die DZ Bank: „An schwachen Tagen nachkaufen.“ Ihre Gründe: Gute Unternehmensergebnisse in den USA und Europa, der sinkende Ölpreis und die günstige Bewertung des deutschen Aktienmarktes. Nach Angaben von Charttechnikern könnte sich die Gelegenheit zum Aktienkauf in den kommenden Tagen bieten. Nach den starken Kursanstiegen sei eine Abwärtskorrektur überfällig. Sie gefährde den Aufwärtstrend allerdings nicht – solange der Dax nicht unter 4290 Punkte sinkt. Dreht er oberhalb dieser Marke wieder nach oben ab, sind in den kommenden Wochen neue Bewegungshochs zu erwarten.

Die DZ Bank verweist auf die niedrige Bewertung des Dax: Gemessen an einem Ertragswachstum von 74 Prozent (2004) sei er mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,4 historisch ausgesprochen niedrig bewertet – deutlich niedriger als der US-Index S&P 500. „Der deutsche Aktienmarkt ist angesichts der gigantischen Unternehmensgewinne im Vorjahr der billigste in Europa“, sagt auch Gertrud Traud. Ebenso der Deutsche Investment-Trust (dit), die Fonds-Tochter der Allianz-Gruppe. Sie hält die Bewertungen auch auf der Basis der für 2005 erwarteten Gewinne für attraktiv. „Eine Bevorzugung heimischer Aktien ist da überlegenswert.“ Zudem wird auf die guten Stimmungsindikatoren verwiesen: GfK-Konsumklima sowie der ZEW- und Ifo-Konjunkturindikator legten zuletzt zu.

„Der Dax mit seinen vielen exportstarken Werten spiegelt die Weltwirtschaft“, erklärt Gertrud Traud den jüngsten Kursanstieg. „Die konjunkturelle Erholung in Europa steht auf einer breiteren Basis und die Weltwirtschaft wächst auf hohem Niveau.“ Auch der wieder gestiegene Dollar mache dem Dax weniger aus als gemeinhin angenommen werde (siehe Kasten).

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