Wirtschaft : Fruitlogistica: Das Geschäft mit der Frische

Bernd Hops

Wenn Pampelmuse und Apfel auf dem Küchentisch landen, haben sie meist eine lange Reise hinter sich. Denn das in Deutschland verzehrte Obst und Gemüse - etwa 15 Millionen Tonnen - wird zu zwei Dritteln importiert, davon fast eine Million Tonnen Bananen für über 1,2 Milliarden Mark. Der Obst- und Gemüsehandel machte laut der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle ZMP im Jahr 2000 einen Umsatz von erstmals über 30 Milliarden Mark. Davon profitiert auch die Fachmesse Fruitlogistica, die vom 18. bis 20 Januar in Berlin stattfindet. Mit 711 Ausstellern aus 50 Ländern verzeichnet sie eine Rekordbeteiligung.

Doch leidet das Gewerbe stark unter dem seit Jahren scharfen Preiskampf im Einzelhandel. "Die Gewinnmarge ist mit ein bis zwei Prozent sehr gering", sagt Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbandes. Preissteigerungen auf den internationalen Märkten bedeuten für die überwiegend mittelständischen Familienunternehmen leicht das Aus. "Durch den schwachen Euro wurden im vergangenen Jahr zum Beispiel Trauben aus Chile 40 Prozent teurer", sagt Brügger. Diese Preissteigerung ließe sich aber nicht einfach an Einzelhandel und Verbraucher weitergeben. Wenn die Ware bereits in Deutschland ist, sei sie noch nicht "gegessen". Ändert sich das Wetter, werden andere Früchte verlangt, nicht verkaufte Ware verdirbt schnell.

Beim Fruchthandel ist nur schwer eine Grenze zwischen Großhandel und Importeuren zu ziehen. "Einerseits ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Großhändler zurückgegangen, dafür sind mehr gleichzeitg im Importgeschäft tätig", erklärt Brügger. Überhaupt seien die Firmen - nach Angaben der ZMP rund 3000 und etwa 300 Verpacker und Spediteure - schwer zu beschreiben. "Es gibt alles in allen Spielvarianten." Teilweise arbeiteten sie nur als Agentur und vermittelten die von anderen importierten Früchte per Telefon, ohne mit ihnen direkt in Kontakt zu kommen; teilweise spezialisierten sie sich auf den Import aus einzelnen Ländern.

Auch die Einzelhandelskonzerne drängen schon seit einiger Zeit in das Geschäft und importieren teilweise direkt. Das drückt auf die Umsätze der traditionellen Importeure. "Je größer ein Konzern wird, desto mehr Aufgaben versucht er, selber zu erledigen", erklärt Stephan Schlick, Sprecher der Cobana-Fruchtring GmbH in Hamburg. Cobana-Fruchtring ist das zweitgrößte Fruchtimport-Unternehmen in Deutschland. Sie erzielte 1999 mit 3000 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,4 Milliarden Mark. Dabei sind die 46 Mitglieder weitgehend selbstständig. Auf die Entwicklung im Einzelhandel habe Cobana allerdings reagiert. Lösungen aus einer Hand seien entwickelt worden. Einzelhändler mit Zentrallägern würden jetzt direkt aus Hamburg beliefert. Einige Händler nutzen den Wettbewerb geschickt aus: "Aldi lässt sich jede Woche neue Angebote machen." Wegen des schärferen Wettbewerbs rechnet Schlick daher mit mehr Kooperationen in der Branche. Prinzipiell sei jedoch die mittelständische Struktur beim inländischen Fruchthandel nicht in Gefahr, schätzt Brügger vom Fruchthandelsverband.

Der größte deutsche Importeur, die Atlanta-Gruppe aus Hamburg, ist im Gegensatz zu Cobana zentral ausgerichtet. Das Unternehmen erzielte 1999 einen Umsatz von etwa 3,84 Milliarden Mark. Atlanta-Sprecher Manfred Herrmann schätzt jedoch: "Im vergangenen Jahr sind die Umsätze wegen der Selbstimporte der Einzelhandelskonzerne etwas zurückgegangen." Besonders stark will Atlanta in Osteuropa expandieren. Darüber hinaus ist das Unternehmen seit kurzem mit der Handelsplattform Fruit2Trade im Internet vertreten, über die Ein- und Verkauf rationeller abgewickelt werden sollen. Der Verbraucher wird aber - auch beim Online-Einkauf - weiterhin auf seinen Einzelhändler angewiesen bleiben.

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