Wirtschaft : Frust am Bankschalter - Die Telefone liefen heiß

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"Sie haben leider keine Aktien bekommen", diesen Spruch mussten am Montag viele Infineon-Zeichner am Bankschalter hören. Nur jeder sechste bekam die gewünschten Wertpapiere. Die meisten Kunden blieben jedoch trotz der Absage gelassen: "Das hat man sich bei der Nachfrage ja denken können", sagt eine Kundin der Berliner-Bank und zuckt enttäuscht mit den Achseln. "Vielleicht hätte ich es auch noch bei einer anderen Bank versuchen sollen."

Auch in den übrigen Berliner Geldinstituten machte sich Frust breit. In der Deutschen Bank 24 etwa berichtete ein Kunde seiner Freundin lauthals per Handy von seinem Zuteilungs-Pech, während am Schalter nebenan ein anderer eine Absage bekam. "Ach, das ist nicht war", rutschte es ihm heraus. "Sonst kaufe ich immer nur Fonds, aber die Spekulationsgewinne von Infineon hätte ich gerne mitgenommen." Von der Aktie überzeugt hatte ihn die Werbung: "An dieser Informationsflut kam man ja nicht mehr vorbei, da musste man es ja einfach versuchen."

So hatten viele Leuten gedacht - und gezeichnet. Entsprechend groß war der Informationsbedarf der Infineon-Interessenten am Montag. "In der Stunde nach Börseneröffnung war der Ansturm am größten, zieht eine Mitarbeiterin der Commerzbank Bilanz. "Schon am Vormittag erkundigten sich mehr als die Hälfte der Zeichner nach ihrem Depot, und noch immer klingelt es bei uns auf allen Leitungen."

Fast pausenlos am Telefon sind auch die Kollegen von der Berliner Volksbank. "Kein Vergleich mit dem Telekom-Börsengang", staunen die Banker. Infineon kaufen oder verkaufen will allerdings kaum ein Kunde. "Die meisten fragen nur, ob sie die Aktien bekommen haben und wie zurzeit der Kurs steht", berichten die Angestellten der verschiedenen Institute. "Dann warten sie wohl erst einmal ab."

Auch ein Kunde der Berliner Sparkasse hat sich erst einmal fürs Abwarten entschieden - obwohl er wie so viele nicht zu den glücklichen Infineon-Anteilseignern gehört. "Eigentlich wollte ich die Aktien für meine private Altersversorgung kaufen", erzählt der Mann enttäuscht. Extra für die Siemens-Tochter hatte er ein Depot eröffnet. Das wird er nun eben etwas später einweihen. "Schließlich geht ja bald auch die Post an die Börse."

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