Frust im Job : Wider die Langeweile

Wer im Beruf nicht weiterkommt, verliert schnell die Lust. Wie es gelingt, sich neue Ziele zu setzen – und sie auch umzusetzen.

Alles abgearbeitet. Wenn der Job nicht mehr herausfordert, kann man sich kaum noch motivieren. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Alles abgearbeitet. Wenn der Job nicht mehr herausfordert, kann man sich kaum noch motivieren.Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Lange war es ihm ein Rätsel. Der junge Maschinenbauingenieur machte einen guten Job, hielt seinem Chef stets den Rücken frei – aber er wurde einfach nicht befördert. Bewerbungen in anderen Abteilungen seines Unternehmens blieben erfolglos. Irgendwann merkte der junge Mann: Es lag an seinem Chef. Der brauchte ihn unbedingt in seinem Team, wollte ihn nicht ziehen lassen.

Dieses Beispiel, das die Wiesbadener Karriereberaterin Ute Bölke aus ihrer eigenen Praxis schildert, steht für etwas, das viele Arbeitnehmer im Laufe ihrer Karriere tatsächlich erleben: beruflich in eine Sackgasse geraten zu sein. Stillstand. Routine. Keine neuen Herausforderungen mehr. „Die Gründe sind sehr unterschiedlich, doch für viele resultiert diese Stagnation im Job in einem Gefühl der Frustration und der Desillusionierung“, sagt Bölke. Wer merkt, dass er nicht mehr vorankommt, sollte das nicht hinnehmen, sondern möglichst bald aktiv werden.

Achtung: Keine Aufstiegschancen

Eine Reihe von Anzeichen deuten auf so eine berufliche Sackgasse hin. Der Münchner Karriereberaterin Petra Carlile sind viele dieser Hinweise schon begegnet: „Wenn man permanent bei Beförderungen übergangen wird, eigene Ideen immer wieder abgelehnt werden oder man gar nicht die Chance bekommt, Vorschläge einzubringen“ – dann sei es Zeit, sich einen Plan zu machen.

Laut Karriereberaterin Ute Bölke sollten Arbeitnehmer zunächst definieren, wo sie eigentlich hin wollen, welche Ziele sie erreichen wollen. Auf der Karriereleiter nach oben? Sich fachlich weiterentwickeln? Vielleicht sogar ein ganz neues Terrain erschließen? Ob das realistisch zu erreichen ist, findet man heraus, wenn man eine Art Kassensturz macht, sagt Bölke. Dabei zeige sich dann, ob das eigene Leistungsportfolio für den Arbeitsmarkt noch interessant ist. Oder wie man es erweitern sollte, so dass es wieder interessant wird.

Heute hier, morgen vielleicht dort

„Einfach mal bei einem anderen Unternehmen bewerben – entweder für eine ähnliche Position oder eine höhere“, rät die Karriereberaterin Bölke. Möglich sei auch, im Internet oder in Tageszeitungen Stellenanzeigen zu studieren und abzugleichen, inwieweit man die dafür geforderten Hard und Soft Skills vorweise. Wer merkt, dass er zusätzliche Qualifikationen benötige, könne etwa berufsbegleitend ein Studium machen, sich weiterbilden oder eine Zeit lang ins Ausland gehen, erklärt Bölke.

Um aktiv eine Beförderung voranzutreiben, gibt es laut Carlile eine Reihe von Möglichkeiten. Die einfachste: „Das Gespräch mit dem Vorgesetzten führen, eigene Ziele verdeutlichen und gemeinsam einen Weg dorthin definieren“, sagt sie. Man könne sich aber auch bereit erklären, eines der nächsten anstehenden Projekte zu leiten. Ganz wichtig sei natürlich auch das Netzwerken. „Nach wie vor sind Kontakte das A und O. Durch Kontakte werden viel schneller Informationen ausgetauscht – etwa auch, wenn intern eine neue Stelle zu besetzen ist“, erklärt Carlile.

Der Personalberater Stefan Müller weist darauf hin, dass vielen Arbeitnehmern auch das Kommunikationsvermögen in eigener Sache fehle. „Es reicht nicht, gute Arbeit zu machen. Man muss es den Chef auch wissen lassen“, beschreibt er, was viele Beschäftigte betrifft. Dafür könne es zunächst durchaus helfen, sich die zehn wichtigsten Erfolge des vergangenen Jahres einfach einmal alle aufzuschreiben. Das mache es zudem leichter, auch dem Vorgesetzten zu berichten, was man erreicht habe. Es sei außerdem wichtig, im Unternehmen sichtbar zu sein. „Das kann heißen: Ich halte Vorträge, ich berichte proaktiv an den Chef, ich schreie mal hier, wenn es um eine Präsentation geht“, sagt Müller.

Manchmal helfen aber alle Bemühungen nichts. „Wenn offensichtlich wird, dass eine Weiterentwicklung unmöglich ist, dann bleibt nur noch die Kündigung“, sagt Carlile. Auch Personalberater Müller hat ein paar Leitsätze formuliert, die zeigen, wo die persönliche Grenze sein muss. Er sagt: „Wenn man sich zu sehr verbiegen muss, um voranzukommen: aufstehen, gehen. Wenn man physisch oder psychisch krank wird in dieser Umgebung: aufstehen, gehen. Wenn man draußen mehr Perspektiven hat: aufstehen, gehen.“ Auch wenn es unbequemer ist: Woanders findet sich sicher auch noch ein Job. (dpa)

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