Wirtschaft : Führerschein für Unternehmensgründer

BERLIN .Ein Führerschein für Unternehmensgründer? Ginge es nach Paul Maisberger, einem Münchener Unternehmensberater, könnte es ein solches Zertifikat schon bald geben.Mit Schulungen und Beratung vor dem Sprung in die Selbständigkeit könnten junge Gründer seiner Meinung nach ihr Risiko erheblich verringern.Geldgeber zu finden dürfte nicht allzu schwierig sein, sagt Maisberger: "Großbanken und Versicherungen wären die natürlichen Träger.Sie würden sich mit dem Projekt ja ihre eigene Klientel schaffen."

Auf die Idee brachte Maisberger eine Umfrage unter 600 Existenzgründern zu deren Erfahrungen - ein Projekt der Industrie- und Handelskammern München, Frankfurt und Hamburg, der Deutschen Ausgleichsbank, der LfA Förderbank Bayern und der Firma Maisberger & Partner.Die Ergebnisse zeigten den Bedarf an fundierter Vorbereitung und begleitender Beratung in allen Phasen der Selbständigkeit, sagt Maisberger: Die befragten Jungunternehmer vermißten Unterstützung vor allem in den Bereichen Finanzen und Liquidität, Vertrieb und Marketing.Sie waren auf viele Situationen schlecht vorbereitet.Es bestehe der Wunsch nach stärkerer Begleitung und nach Erfahrungsaustausch.

Maisberger stellt sich einen Kurs zum Gründer-Führerschein so vor: Am Anfang stünde eine Auswahlprüfung, in der die Kandidaten ein Gremium von ihrem Plan überzeugen müßten."Man muß ihnen ein bißchen auf den Zahn fühlen: Können sie ihre Idee präsentieren? Haben sie die Chance, daß eine Bank sie auch fördert?".Er betont, daß man den Kandidaten möglichst früh sagen müsse, ob ihre Projekte Zukunft haben - bevor sie zuviel Geld investieren.

In einem anschließenden Workshop würde gemeinsam mit Unternehmern aus der Praxis ein Businessplan erstellt und analysiert.Folgen würden Unternehmensplanspiele: Computersimulationen von Geschäftsverläufen, Produktion oder Verkauf - und vielleicht auch eines Konkurses.Nach weiteren Seminaren gäbe es einen Wettbewerb der Kandidaten mit ihren Business-Plänen.Der Hauptgewinn müßte mit etwa 50 000 DM hoch genug sein, damit der Sieger damit eine GmbH gründen könne.

"Danach ist ein Coach gefragt - Unternehmer, die den Gründern für Fragen zur Verfügung stehen", sagt Maisberger."Das Wichtigste an der Geschichte: Nicht Existenzgründer, die nur den eigenen Arbeitsplatz geschaffen haben, sondern Gründer erfolgreicher Unternehmen sollten das Projekt moderieren und begleiten." Bezahlt werden sollten sie von den Initiatoren des Projekts.Auch von Unternehmensverbänden fordert Maisberger Unterstützung von Projekten für erfolgreiche Gründungen.

Karlheinz Stöckner, Sprecher des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Berlin, bezweifelt, daß man so einfach Banken findet, die solch ein Programm finanzieren würden.Aber alles sei begrüßenswert, was Unternehmern bei der Gründung helfe."Das Wichtigste ist, daß es eine individuelle Beratung gibt.Gruppenseminare bringen nicht viel, weil jeder Fall ganz anders ist." Zentral sei langfristige Begleitung: "Man darf die Leute nach dem Unternehmensstart nicht allein lassen", warnt Stöckner.In der Softwarebranche gebe es bereits sogenannte "Business-Angels", die Gründer als Mentoren begleiten, Kontakte zu Banken und Partnern vermitteln und mit Ratschlägen helfen.

Die Umfrageergebnisse, die zu der Führerschein-Idee führten: In Berlin etwa fühlten sich 50 Prozent der Befragten zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung unzureichend informiert und für knapp 60 Prozent war die Finanzierung ein Problem.Ein Viertel der befragten Berliner Gründer hatte keine Berufserfahrung in der Branche.pys

Vom 31.8.bis 3.9.bietet der BVMW seine monatliche kostenlose Beratung für Existenzgründer in Berlin an.Tel.: 5332060.

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