Führungs-Reform : Bundesregierung erwägt Vetorecht bei EADS

Gewerkschaften und Mitarbeiter haben sich von dem Führungswechsel bei EADS wenig beeindruckt gezeigt. Berlin und Paris ziehen daneben eine so genannte "Goldene Aktie" in Erwägung, mit der sie Einspruch bei Unternehmensentscheidungen erheben können.

Paris/HamburgDie Ersetzung der deutsch-französischen Doppelspitze bei EADS durch das Rotationsprinzip hat die Arbeitnehmer und den Kapitalmarkt nicht beeindruckt. Französische und deutsche Gewerkschafter erklärten, die Reform der Führungsstruktur ändere nichts am Sanierungsprogramm "Power 8", das den Abbau von 10.000 Stellen und die Ausgliederung ganzer Werke vorsieht. Analysten kritisierten die Wahl von Thomas Enders als Airbus-Chef und Louis Gallois als EADS-Chef. Die EADS-Aktie verlor 1,16 Prozent auf 23,84 Euro und lag damit unter dem Schlusskurs vom Freitag (23,95).

"Man nimmt dieselben und fängt von vorne an", kritisierte der Co-Chef des Airbus-Konzernbetriebsrates Jean-François Kepper. "Man versetzt die Akteure, doch die Kämpfe um Macht und Einfluss werden weitergehen." Auch "Power 8" gehe weiter. Der Nodenhamer Betriebsrat Udo Nobel erklärte, Enders und Gallois hätten "grundsätzlich identische Einstellungen". Er erwarte keine Entspannung für das Werk, das wie die Standorte Varel und Laupheim zum Verkauf steht. Die französische Gewerkschaft CFDT kritisierte, dass nach mit Eurocopter und Airbus zwei große EADS-Töchter in kurzer Zeit in deutsche Führung übergegangen seien.

Analysten stufen Aktien mit "sell" ein

Standard&Poor's wertete die EADS-Reform positiv, weil sie die Entscheidungsstrukturen ohne den Verlust von Spitzenmanagern vereinfache. Die Benotungsgesellschaft sah aber keinen Anlass, die mäßige Einstufung langfristiger EADS-Kredite mit BBB+ zu verbessern. Kritisch zur Personalentscheidung äußert sich die Citibank, deren Analysten die EADS-Aktie mit "sell" (verkaufen) einstufen. "Wir sehen wenig Logik darin, dass er (Enders) seine gegenwärtige Rolle der Führung des EADS-Rüstungsgeschäfts aufgibt, um Airbus zu führen", erklären die Citibank-Analysten. Enders ersetze dabei den erfahrenen Luftfahrtmanager Gallois und werde hierarchisch zwischen zwei Franzosen eingequetscht.

Die Société Générale belässt die EADS-Aktie auf "sell". "Der vorgeschlagene Wechsel der Board- und Managementstruktur ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber die erste schwere Entscheidung wird zum Härtetest für den Board", meinen die Analysten. Auch die die Analysten von Independent Research sehen keinen Grund, ihre Einstufung "Reduzieren" zu verändern. "Negativ werten wir, dass der Airbus-Vorstand und der EADS-Vorstand von unterschiedlichen Personen besetzt werden. Aus unserer Sicht sind hierdurch erneute Abstimmungsprobleme nicht auszuschließen", heißt es.

"Goldene Aktie" für Deutschland?

Nach der Regelung der Personalfragen wollen die EADS-Aktionäre in drei Monaten ihren Aktionärspakt reformieren. Eine Arbeitsgruppe berät bis dahin auch über die Einführung eines Vetorechtes der Staaten über eine "Goldene Aktie". Diese Informationen vom Montag wurden von der Bundesregierung bestätigt. Es würden verschiedene Instrumente zum Schutze der staatlichen Interessen erörtert, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. Es gebe aber noch keine Präferenz und kein Einvernehmen über die Goldene Aktie.

Der französische Senat hatte eine "Goldene Aktie" für Deutschland vorgeschlagen. Die Deutschen würden gerne sehen, dass Frankreich sich mit einem solchen Vetorecht bei strategischen Entscheidungen begnügt. Frankreich erwägt dagegen, seine Beteiligung von 15 Prozent an EADS auszubauen, wenn Lagardère sich von seinem Anteil von derzeit 7,5 Prozent trennt, und dafür das Stimmrecht zu übernehmen. (mit dpa)

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