Wirtschaft : Führungswechsel bei Ericsson

Carl-Henrik Svanberg soll den schwedischen Telekommunikationskonzern aus der Krise führen

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Stockholm (hst/HB). Der schwedische Telekommunikationskonzern Ericsson hat am Donnerstag überraschend CarlHenric Svanberg zum neuen Chef ernannt. Der 50-jährige Svanberg soll am 8. April die Nachfolge von Kurt Hellström (59) antreten, der Ende 2003 in den Ruhestand geht. Der Wechsel an der Spitze des weltgrößten Herstellers von Mobilfunknetzen führte unmittelbar zu einem steilen Kursanstieg der Ericsson-Aktie. Sie legte zwischenzeitlich fast zwölf Prozent zu, nachdem sie in den vergangenen Tagen nach einer enttäuschenden Bilanz für 2002 um fast 25 Prozent eingebrochen war.

Die meisten Analysten zeigten sich zufrieden mit der Wahl von Svanberg, der bisher Konzernchef der schwedischen Assa Abloy war, dem weltgrößten Hersteller von Sicherheitsschlössern. Viele Experten waren aber überrascht vom Zeitpunkt der Bekanntgabe des Führungswechsels – nur drei Tage nach der Bilanz-Vorlage. Sie bewerteten die Ernennung von Svanberg als positiv für den schwedischen Konzern. „Das war eine gute Wahl, zumal die Zeit der Unsicherheit vorüber ist“, sagte Helena Nordman-Knutsson von Öhman in Stockholm. „Ein Einwand gegen ihn ist sein Mangel an Erfahrung in der Telekommunikationsbranche“, sagte dagegen Telekommunikationsanalyst Håkan Wranne von Fischer Partners in Stockholm.

Svanberg selbst gab dieses Defizit auf einer Pressekonferenz in Stockholm zu. „Jetzt werde ich sehr viel Zeit zum Lernen benötigen“, sagte er. Ericssons Aufsichtsratschef Michael Treschow, nannte Svanberg „eine Langzeit-Lösung“. Er sei noch kein Telekom-Profi, hätte aber bei Assa Abloy bewiesen, dass er sich schnell in neue Gebiete einarbeiten könne. Treschow sagte, dass der bisherige Konzernchef Hellström „die größte Umstrukturierung der modernen schwedischen Geschichte“ durchgeführt habe. „Niemand kann sich vorstellen, was Hellström für das Unternehmen geleistet hat“, sagte er.

Der stets ein wenig medienscheue Kurt Hellström sah am Donnerstag erleichtert aus. Er hatte 1999 die Konzerleitung übernommen und musste wegen des allgemeinen Niedergangs der Branche fast sofort ein bis heute nicht abgeschlossenes Sparprogramm einleiten. „Die vergangenen dreieinhalb Jahre sind mir vorgekommen wie sieben Jahre“, sagte Hellström. Er wolle aber noch bis Jahresende seinem Nachfolger zur Seite stehen. Während Hellströms Zeit reduzierte Ericsson die Zahl seiner Mitarbeiter von 106000 auf nunmehr knapp 65000. Bis Ende des Jahres sollen es weniger als 60000 sein.

Svanberg wichtigstes Ziel ist es jetzt, den Konzern, der seit mehr als sieben Quartalen tiefrote Zahlen schreibt, wieder in die Gewinnzone zu führen. „Ich habe keine Zweifel, dass der Ericsson-Konzern, der schon mehrere Krisen überlebt hat, auch aus diesen Problemen als Sieger hervorgehen wird“, sagte er. Über seine genauen Pläne wollte er sich noch nicht äußern. Als Zeichen seines Vertrauens in den Konzern erwarb der Multimillionär Svanberg in den vergangenen Tagen Ericsson-Aktien im Wert von umgerechnet knapp elf Millionen Euro.

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