Führungswechsel : EnBW-Chef Claassen geht nicht aus freien Stücken

Überraschend kam der Rücktritt schon: Gestern gab EnBW-Chef Utz Claassen bekannt, seinen Vertrag nicht mehr verlängern zu wollen. Hinter seinem Rücken sollen zwei Mehrheitsaktionäre bereits einen Nachfolger auserkoren haben.

Utz Claassen
Utz Claassen räumt bei EnBW seinen Stuhl.Foto: ddp

KarlsruheDer überraschende Rückzug des EnBW-Vorstandschefs Utz Claassen geht Medienberichten zufolge auf die beiden Mehrheitsaktionäre des Karlsruher Stromkonzerns zurück. Der französische Stromriese Electricité de France (EDF) und der kommunale Verband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) hätten sich hinter Claassens Rücken auf einen möglichen Nachfolger geeinigt, berichtete der Südwestrundfunk (SWR).

Claassen habe nach Ansicht der EDF zu wenig Rücksicht auf die französischen Interessen genommen, berichtete die "Financial Times Deutschland". Laut SWR sollen EDF und OEW in einer "geheimen Kommandosache" Personalberater auf die Suche nach einem geeigneten Nachfolger geschickt haben. Claassen habe erst am Dienstag davon erfahren und als Konsequenz seinen Verzicht erklärt.

Rücktritt am Dienstagabend

Claassen hatte am Dienstagabend bekannt gegeben, er stehe für eine Verlängerung des Ende April 2008 auslaufenden Vertrages nicht zur Verfügung. Ausschlaggebend für seinen Beschluss seien "strukturelle, professionelle, persönliche und familiäre Gründe".

Man respektiere diese persönliche Entscheidung, teilten EDF und OEW mit. Beide sind mit jeweils 45,01 Prozent an der Energie Baden-Württemberg AG beteiligt. Es werde alles getan, um eine "gute Kontinuität" in den Geschäften des Versorgers zu sichern, erklärten die Anteilseigner.

Ruf als "knallharter Sanierer"

Claassen, der den Ruf eines knallharten Sanierers hat, war 2003 zum EnBW-Chef berufen worden und hatte den angeschlagenen einstigen Mischkonzern wieder in die Gewinnzone gebracht. Er verkaufte zahlreiche Unternehmensbeteiligungen und strich 2100 Arbeitsplätze. Die Spekulationen über die berufliche Zukunft des 44-Jährigen reichen von einer unternehmerischen Betätigung bis hin zu einem Wechsel in die Politik.

Nach Einschätzung von Insidern hat die seit längerer Zeit schwelende Affäre um Gratis-Karten für die Fußball-WM in Deutschland keine Rolle für den Rückzug gespielt. Claassen muss sich in dieser Angelegenheit wegen des Vorwurfs der Vorteilsgewährung demnächst vor Gericht verantworten. (mit dpa)

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