Führungswechsel : Gute Ausgangslage für den neuen Siemens-Chef

Die Konzernbereiche rechnen mit einem kräftigem Wachstum und erreichen Margenziele. Klaus Kleinfeld bezeichnet den Abschied als "schmerzhaft“.

Peter Löscher
Peter Löscher hat eine gute Ausgangsposition als neuer Siemens-Chef. -Foto: ddp

MünchenDer neue Siemens-Chef Peter Löscher muss sich für die kommenden Monate keine Sorgen machen. Das Geschäft des Münchener Technologiekonzerns läuft auf Hochtouren. Auf einer Analystenkonferenz am vergangenen Freitag zeigte sich eine ganze Reihe von Spartenchefs zuversichtlich, dass sich an der guten Lage nichts ändern wird. "Was ich für die absehbare Zukunft sagen kann: 2007 wird ein gutes Jahr. Und in unserem Geschäft sehe ich auch im ersten Halbjahr 2008 keinen Rückgang", sagte Helmut Gierse, Chef der Automatisierungssparte (A & D) von Siemens. Ähnlich äußerte sich Udo Niehage, der den Bereich Stromübertragung (PTD) führt. Bis zum Jahr 2010 rechne er für das Geschäftsfeld mit einem jährlichen Wachstum des Auftragseingangs von 16 Prozent. Damit würde PTD mehr als doppelt so kräftig zulegen wie der Markt.

Der gebürtige Österreicher Peter Löscher löst zum ersten Juli Klaus Kleinfeld an der Spitze von Siemens ab. Kleinfeld verlässt den Konzern im Zuge des Korruptionsskandals.

Die Affäre sorgt seit ersten Durchsuchungen im vergangenen November für Unruhe. Vor zwei Monaten war bereits Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer zurückgetreten. Kleinfeld hinterlässt aber ein gut bestelltes Haus. Den Analysten versprach Siemens in München, dass sich sämtliche zehn Industriebereiche besser entwickeln würden als die jeweiligen Märkte. Das Traditionsunternehmen deckt von Glühlampen über Stromleitungen und Lokomotiven bis zu Gasturbinen ein breites Feld ab. „Das Unternehmen ist exzellent gerüstet für die Zukunft“, sagte Kleinfeld in einem Interview mit "Bild". Sein Abschied aus dem Konzern sei "schmerzhaft".

Als der Aufsichtsrat vor einigen Wochen nicht bereit war, Kleinfelds Vertrag wegen nicht auszuschließender Verwicklungen in den Korruptionsskandal vorzeitig zu verlängern, hat der seinen Rückzug verkündet.

Ende April hatte Kleinfeld in Verbindung mit der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen noch neue Margenziele für die einzelnen Geschäftsbereiche genannt, die bis spätestens 2010 erreicht werden sollen. Einige Bereiche sind schon jetzt so weit. So werde die Sparte Industrial Solutions and Services (I & S) die Marge im laufenden Geschäftsjahr erzielen, kündigte Bereichschef Jorgen Ole Haslestad an. In diesem Bereich hat Siemens unter anderem sein Geschäft mit der Wasseraufbereitung und mit Flughafenausrüstung gebündelt.

Den Analysten stellten einzelne Bereiche auch weitere Zukäufe in Aussicht. „Wir suchen ständig nach Akquisitionen“, sagte A & D-Chef Gierse. Der Bereich hat sich erst kürzlich für 3,5 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) den US- Softwarehersteller UGS gekauft. Auch die Gebäudetechniksparte SBT solle durch Übernahmen gestärkt werden, hieß es. Die Affäre um schwarze Kassen hat Siemens im Geschäft und an den Finanzmärkten bisher nicht geschadet. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs um rund 40 Prozent gestiegen. Die meisten Bereiche konnten zuletzt auch deutlich mehr Aufträge einsammeln als im Vorjahr, als von den Vorwürfen noch nichts bekannt war. Allerdings haben Siemens-Manager wiederholt darauf hingewiesen, dass völlig unklar sei, wie sich der Korruptionsskandal langfristig auf die Kundenbeziehungen auswirken werde.

Als eines der größten Probleme für den Konzern, aber auch für die Wirtschaft insgesamt, bezeichnete Kleinfeld den Fachkräftemangel. "Das ist hoch kritisch und ein echtes Hemmnis für den Aufschwung", sagte der scheidende Siemens-Chef. So könne Siemens derzeit 3000 Stellen nicht besetzen. Im Mittelstand sei die Situation noch dramatischer, sagte Kleinfeld. jojo (HB)/Tsp

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