Führungswechsel : Neuer Chef für Weberbank

Vorstandschef Goßmann muss nach der Übernahme durch die Mittelbrandenburgische Sparkasse gehen

Maren Peters
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Die Weberbank soll auch künftig als eigenständige Marke erhalten bleiben. Foto: dpa

Berlin - Die Weberbank bekommt einen neuen Vorstandschef – den vierten in vier Jahren. Amtsinhaber Andreas Goßmann werde sein Amt zur Verfügung stellen, kündigte Walter Schubert, der Chef der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) am Montag in Berlin an. Die MBS hat die Weberbank gerade von der WestLB gekauft. Ein Nachfolger für den scheidenden Goßmann, der voraussichtlich Ende Juli, Anfang August geht, werde noch gesucht, sagte Schubert. Eine klare Vorstellung hat er schon: Aus Berlin solle der Neue sein, über 50 und einigermaßen sicher vermitteln können, „dass er nach zwei Jahren nicht schon wieder etwas anderes macht“. Die Wahl des richtigen Nachfolgers werde entscheidend für den Erfolg der Bank sein.

Zehn Tage nach dem Kauf der Weberbank hat sich Sparkassenchef Schubert damit erstmals zur Zukunft des Instituts geäußert. Mit dem Verkauf erfüllt die angeschlagene WestLB die Auflagen der EU-Kommission, die ihr im Gegenzug für die Genehmigung milliardenschwerer Staatshilfen eine Halbierung des Bilanzvolumens verordnet hatte.

Die Weberbank, die 1949 in Berlin gegründet wurde, ist auf vermögende Privatkunden spezialisiert. Sie war 1994 mit der Berliner Industriebank fusioniert und wurde Teil der Bankgesellschaft, der heutigen Landesbank Berlin. Diese musste die Weberbank 2005 auf Druck der EU-Kommission an die WestLB verkaufen. Ähnlich abwechslungsreich ging es seitdem an der Bankspitze zu: Goßmann, der seit September im Amt ist, ist bereits der dritte Chef.

Sparkassenchef Schubert will die Weberbank auch künftig als eigene Marke erhalten und das Privatkundengeschäft ausbauen. Ende 2008 kam das Institut seinen Angaben zufolge auf eine Bilanzsumme von rund 2,2 Milliarden Euro und verbuchte Verluste in ungenannter Höhe. Das verwaltete Vermögen belief sich Ende April auf 3,2 Milliarden Euro. Die Weberbank hat rund 20 000 Kunden, davon rund 19 000 in Berlin.

Schubert hat große Pläne mit seiner neuen Tochter. Bis 2013 soll das verwaltetes Vermögen auf 5,6 Milliarden Euro steigen. „Ich glaube auch nicht, dass wir uns dabei übernehmen werden“, sagte er selbstbewusst. Allein unter den Sparkassenkunden gebe es ein Potenzial von 40 000 Kunden, „die wir unter heutigen Umständen nicht erschließen können“. Viele Kunden trauten einer Sparkasse keine Vermögensverwaltung zu.

Bis 2012 soll die Weberbank schwarze Zahlen schreiben. Um das zu erreichen, müssten entweder die Kosten sinken oder die Erträge steigen, sagte Schubert. Das dürfte auch Auswirkungen für die Beschäftigten haben. „240 Mitarbeiter ist zu viel“, sagte Schubert. Zu der Frage, ob es Entlassungen geben wird, wollte er sich aber nicht äußern. Das hänge auch von der weiteren Entwicklung ab.

Von den drei Filialen der Weberbank in Nordrhein-Westfalen soll mindestens der Standort Düsseldorf geschlossen werden. Bielefeld „müsse man sich ansehen“, sagte Schubert, die Filiale war erst 2008 eröffnet worden. Die Niederlassung in Essen bleibt dagegen erhalten. In Berlin sieht Schubert Platz für ein bis zwei neue Filialen, in Potsdam wird immerhin die Sparkassenvilla künftig das Schild „Weberbank“ tragen. Außerhalb Brandenburgs soll es aber keine Standorte geben.

Wie viel die MBS für die Weberbank bezahlt hat, wollte Sparkassenchef Schubert mit Verweis auf Vertraulichkeitsvereinbarungen nicht konkret beziffern. Branchenüblich wäre das 1,5-fache des Eigenkapitals von derzeit 53 Millionen Euro gewesen. Die MBS habe nicht einmal das Eigenkapital bezahlt.

Schubert geht davon aus, dass die ausstehenden Genehmigungen zur Übernahme der Weberbank Ende Juni vorliegen, am 1. Juli wäre die Mittelbrandenburgischen Sparkasse dann Alleinaktionär.

Schubert selbst will Ende des Jahres seinen Vorstandssessel bei der Sparkasse räumen und in den Ruhestand gehen. Er wolle ein Studium beginnen, sagte er. „Am liebsten Geschichte, aber ich werde wahrscheinlich bei Jura landen.“ Ob es ihn trotzdem an die Spitze des Aufsichtsrates drängt, wollte er am Montag noch nicht kommentieren.

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