Wirtschaft : Führungswechsel: Swissair-Chef Philippe Bruggisser muss gehen

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Nach langwierigen Auseinandersetzungen über die "richtige" Konzernstrategie trennt sich der Schweizer Flugkonzern Sairgroup jetzt von Konzernchef Philippe Bruggisser. Die Trennung erfolge sofort und in gegenseitigem Einvernehmen, teilte das Unternehmen am Dienstag in Zürich mit. Die Konzernleitung übernimmt zunächst der Präsident des Verwaltungsrats, Eric Honegger. Das Fluggeschäft des Konzerns wird vom bisherigen Crossair-Präsidenten Moritz Suter übernommen. Neuer Chef der Swissair wird Beat Schär, bislang Leiter der Abteilung Flugoperationen Swissair. Die Börse honorierte die Meldung in Erwartungen eines gewinnbringenden Strategiewechsels mit einem markanten Kursgewinn. Die Aktien legten im Handel um rund fünf Prozent auf über 260 Franken zu.

Dem Wechsel an der Spitze waren erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Verwaltungsratschef Honegger und Konzernchef Bruggisser vorausgegangen. Bruggisser hatte stets die Anlehnung an eine größere Flugallianz wie "Oneworld" unter Führung von British Airways und American Airlines abgelehnt und sich auf den Ausbau der eigenen unabhängigen Qualiflyer-Gruppe konzentriert. Diese Unabhängigkeit aber hat ihren Preis. Die Beteiligungen an der belgischen Sabena, dem deutschen Ferienflieger LTU und den französischen Gesellschaften Air Littoral, Air Liberté und AOM kosteten den Konzern im vergangenen Jahr über 700 Millionen Schweizer Franken. Branchenkenner befürchten, dass die Millionenverluste bei Sabena und den französischen Töchtern Sairgroup langsam in ernste Schwierigkeiten bringen. Die Bar-Reserven sollen bereits auf 300 Millionen Franken geschmolzen sein. Mit der den Belgiern zugesagten neuen Kapitalspritze von 150 Millionen Euro wären die Reserven praktisch aufgebraucht. Auf der Bilanzpressekonferenz am 12. März werden die Zahlen vorgelegt.

Wie Sairgroup am Dienstag mitteilte, soll das Fluggeschäft und das flugverwandte Geschäft weiter Basis der Konzernstrategie sein. An Verkäufe wird also zurzeit nicht gedacht. Darüber hinaus soll bis auf weiteres auf neue Beteiligungen, im Gespräch waren die portugiesische TAP und Malaysian Airlines, und Akquisitionen verzichtet werden.

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