Fünf Fahrdienste im Test : Schnell, preiswert und sauber durch Berlin

Fünf Fahrdienste, eine Strecke: Wie groß sind die Unterschiede beim Preis, der Pünktlichkeit oder der Verfügbarkeit? Ein Erfahrungsbericht.

Stets zu Diensten. In Berlin muss es keine Stretchlimo sein, wenn man bequem unterwegs sein will – verschiedene Fahrdienste machen Taxi und S-Bahn Konkurrenz.
Stets zu Diensten. In Berlin muss es keine Stretchlimo sein, wenn man bequem unterwegs sein will – verschiedene Fahrdienste machen...Foto: ddp

Man kann es auf der Straße oder auf der Schiene tun, man kann selber fahren oder sich fahren lassen, auf zwei, vier oder vielen Rädern: Nie gab es mehr Möglichkeiten, in Berlin mobil zu sein und von A nach B zu kommen. Seit einigen Monaten sind in der Hauptstadt auch neue Fahrdienste wie Allygator oder Clever-Shuttle unterwegs. Eines haben alle gemeinsam: Nutzer können die Dienstleistungen bequem per Smartphone-App bestellen. Wie groß die Unterschiede sind, wenn man sich fahren lässt – etwa beim Preis, der Pünktlichkeit oder der Verfügbarkeit –, wollten wir genauer wissen. Fünf Redakteure machten sich am Freitagabend auf den Weg, um fünf Anbieter zu testen: Allygator, Clever-Shuttle, Taxi, UberX und die S-Bahn. Vom Tagesspiegel-Verlag am Askanischen Platz ging es zum rund 2,5 Kilometer entfernten Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße. Kurz vor 18:30 Uhr starteten alle gleichzeitig ihre App oder tauchten in die S-Bahn ab – und los ging es.

DER SCHNELLSTE

App: www.taxi-berlin.de

Fahrtzeit: Neun Minuten

Kosten: 8,70 Euro

Ein Taxi per App? Nicht nur der Download, sondern auch die Bestellung per Handy um 18:27 Uhr funktionieren reibungslos. Nur Name und Abholort muss ich eintippen und auf den Button „Bestellen“ drücken: Dann zeigt ein Echtzeit-Tracker an, dass das bestellte Taxi in zwei Minuten eintreffen wird. Exakt zwei Minuten später hält ein Mercedes mit dem gelben Taxi-Schild auf dem Dach am Askanischen Platz. Der Fahrer begrüßt mich formvollendet mit seinem korrekten Nachnamen. Während die Kollegen noch mit ihren Beförderungs-Apps kämpfen, nimmt das Taxi Fahrt auf. Das Fahrzeug kommt im Feierabend-Verkehr erstaunlich gut voran, nur an der Leipziger Straße geraten wir zeitweilig in einen Mini-Stau. Um 18:38 Uhr setzt das Taxi mich wohlbehalten vor Dussmann ab. Erster! 8,70 Euro zeigt das Taxameter – vor dem Kulturkaufhaus spielt ein Mann auf seinem Saxophon „Aux Champs-Élysées“. Von den Kollegen weit und breit keine Spur. Sarah Kramer

DER ELEKTRISCHE

App: www.clevershuttle.org

Fahrtzeit: 21 Minuten

Kosten: Drei Euro

Etwas Geduld ist gefragt, wenn man die Elektroautos von Clever-Shuttle bestellt. „Dein Shuttle ist in zwölf Minuten da“, meldet die App. Der Fahrdienst, hinter dem die Deutsche Bahn und Audi stehen, ist seit September mit zehn Fahrzeugen innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings unterwegs – Sonntag bis Donnerstag von 18 bis ein Uhr sowie Freitag und Samstag von 18 bis vier Uhr. Clever-Shuttle ist ein Ridesharedienst, also ein Sammeltaxi: Will ein Nutzer in dieselbe Richtung, wird er unterwegs mitgenommen. Für mich gilt ein Festpreis: drei Euro. Auf der App-Karte kann ich verfolgen, welche Strecke der Fahrer, dessen Name angegeben ist, nimmt, um mich abzuholen. Bei Bedarf kann ich ihn anschreiben oder anrufen, umgekehrt ist das auch möglich. Er hat einen Personenbeförderungsschein, ist also ein Profi. Die Wartezeit erklärt sich auch damit, dass die Shuttle-Autos nach jeder Fahrt auf das Euref-Gelände in Schöneberg zurückkehren müssen – zum Stromtanken und weil das Gesetz eine Rückkehrpflicht zum Firmensitz vorschreibt. Nach zwölf Minuten fährt ein Kleinwagen vor, lautlos gleitet der elektrische Citroën C1 Richtung Friedrichstraße. Weitere Fahrgäste gibt es nicht. Nach neun Minuten erreichen wir das Ziel. Ich zahle den sehr günstigen Einführungspreis in bar – demnächst soll Clever-Shuttle etwas teurer werden. Henrik Mortsiefer

DER ANGREIFER

App: www.uberxgermany.com

Fahrtzeit: 20 Minuten

Kosten: 8,68 Euro

Das Angebot ist umstritten. Eigentlich wollte das US-Unternehmen Uber den deutschen Taxifahrern Konkurrenz machen, indem Privatleute Fahrgäste mit ihrem eigenen Auto befördern. Weil das in Europa verboten worden ist, kooperiert Uber mit Chauffeurdiensten. In Berlin ist das MyChauffeur: ein Anbieter, der im Auftrag von Uber Fahrgäste im Mietwagen von A nach B bringt. Beim Test wird mir auf einer Karte angezeigt, welches Fahrzeug in meiner Nähe ist. Acht Minuten ist es entfernt. Nach der Bestellung erfahre ich, dass gleich Alexey kommt in einem Toyota Prius. Auf dem Handy kann ich nachverfolgen, wie er sich nähert. Als ich dann einsteige, weiß Alexey bereits, wohin ich will – schließlich hatte ich das in der App angegeben. Neun Minuten dauert die Fahrt, mit Wartezeit und allem drumherum sind es 20. Ich frage, ob der Fahrer einen Personenbeförderungsschein hat. Hat er: Alexey ist Taxifahrer im Ruhestand. Weil die Rente nicht reicht, fährt er für Uber. Wie viel mich die Fahrt kostet, erfahre ich erst nach dem Aussteigen, abgebucht wird per Paypal. 8,68 Euro sind es. Eigentlich wirbt Uber damit, günstiger zu sein als das klassische Taxi. Pustekuchen: Ich spare nur zwei Cent. Carla Neuhaus

DER BILLIGSTE

App: www.allygatorshuttle.com

Fahrtzeit: 24 Minuten

Kosten: 0,10 Euro

So großzügig habe ich noch nie Trinkgeld gegeben. Ich fahre Allygator, der neue Shuttleservice verfolgt eine schöne Idee: Mehrere Personen mit ähnlicher Route teilen sich ein Auto, dadurch gibt’s weniger Verkehr und trotzdem kommt jeder ans Ziel – und zwar bequem von Tür zu Tür. 16 Minuten Wartezeit werden mir per App angezeigt, aber schon nach elf Minuten sitze ich im Wagen, einem angenehm beheizten und sauberen Ford Tourneo. Nur ein weiterer Fahrgast ist an Bord, er kommt aus Kreuzberg und will zur Kochstraße, das ist ein kleiner Umweg zu meinem Ziel. Aber wer Allygator nutzt, muss flexibel sein. Fahrer Danny navigiert uns freundlich durch den Feierabendverkehr. Eigentlich sind solche Pool-Fahrten in Deutschland untersagt. Doch Allygator bietet seine Fahrten noch so günstig an, dass der Service nicht unter die gewerbliche Personenbeförderung fällt: fünf Cent kostet der Kilometer. Bisher ist Allygator nur freitags- und samstagabends zwischen 18 Uhr und 2 Uhr innerhalb des S-Bahn-Rings verfügbar. Ich bin nach 24 Minuten bei Dussmann, als letzte der Testgruppe, dafür zahle ich so wenig wie kein anderer: zehn Cent – ich gebe einen Euro, ein Trinkgeld von 900 Prozent. Sonja Álvarez


DIE ÖKOLOGISCHE

App: www.s-bahn-berlin.de

Fahrtzeit: 18 Minuten

Kosten: 1,70 Euro

Eigentlich müsste die S-Bahn die Testsiegerin sein. Die reine Fahrzeit vom S-Bahnhof Anhalter Bahnhof bis zur Friedrichstraße beträgt lediglich fünf Minuten. Dass ich aber dennoch nicht als Erste, sondern nur als Zweite am Ziel angekommen bin, liegt zum einen am Fußweg, den man vom S-Bahnhof bis zu Dussmann noch zurücklegen muss – und an meiner Fairness. Denn die S-Bahn nach Hennigsdorf, die abfahrbereit am Gleis stand, hätte ich mit einem kleinen Spurt erreichen können. Das hätte mir vier Minuten Wartezeit erspart, aber wir hatten Ehrlichkeit gelobt, also nein. Ich habe gewartet, und auch beim anschließenden Spaziergang zum Kulturkaufhaus habe ich mir genug Zeit gelassen, um einen Blick in die Schaufenster und auf das touristische Treiben zu werfen. Fazit: Hohe Erlebnisqualität, ein bisschen frische Luft, günstige 1,70 Euro für die Kurzstrecke und als ultimativer Sammeltransport ist die S-Bahn auch noch superökologisch – was will man mehr? Heike Jahberg

Video
Die neue Berliner S-Bahn im Test
Ein Blick in die neue Berliner S-Bahn


39 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben