Wirtschaft : Fünf Millionen Abfindung für WestLB-Chef Auch Fischers Stuhl als RWE-Aufseher wackelt

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Der Abgang des geschassten Chefs der WestLB, Thomas Fischer, soll dem Banker mit einer hohen Abfindung versüßt werden. „Der Mann wird für die anderthalb Jahre rund fünf Millionen Euro bekommen“, sagte ein Vertreter der Bankeigentümer dem Tagesspiegel am Freitag mit Blick auf die Restlaufzeit von Fischers Vertrag bei der WestLB.

Fischer war am Donnerstag zusammen mit Matthijs van den Adel aus dem Vorstand abberufen worden. Grund war das angebliche Fehlverhalten in der Affäre um missglückte Aktienspekulationen, die der Bank Verluste in dreistelliger Millionenhöhe beschert haben.

Grund für Fischers hohe Abfindung sei die Auffassung des Aufsichtsrats, dass man Fischer juristisch kaum einen gravierenden Fehler nachweisen könne, hieß es am Freitag. Deshalb müsse man ihm zugestehen, sein Gehalt bis zum Ende der Laufzeit des Vertrages zu beziehen. Fischers Vertrag läuft Ende 2008 aus.

Sein vorzeitiger Abgang hat nicht nur bei der WestLB für Turbulenzen gesorgt, auch beim Energieunternehmen RWE wird über seine Nachfolge diskutiert. Dort ist Fischer nämlich Chef des Aufsichtsrates. Offiziell äußert sich dazu niemand aus dem Konzern, aber hinter den Kulissen ist die Debatte um die Nachfolge von Fischer längst ausgebrochen. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Chef der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, müsse jetzt mit Fischer reden, heißt es.

Als ein möglicher Nachfolger für Fischer wurde schon Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz genannt. Der hat intern allerdings eindeutig abgelehnt, weil er mit seinen Aufgaben im eigenen Konzern und in der Krupp-Stiftung voll ausgelastet sei. Übrig blieben als Kandidaten Allianz-Vorstand Paul Achleitner und der ehemalige Bayer-Chef Manfred Schneider.

Der neue WestLB-Chef Alexander Stuhlmann hat sich unterdessen mit einem Brief an die Mitarbeiter gewandt. Dem Vernehmen nach wirbt er darin um das Vertrauen der konzernweit rund 6000 Beschäftigten. Wichtig sei nach den Turbulenzen, dass die Geschäfte wieder rund liefen und sich die WestLB am Markt behaupte. Bereits am Vortag hatte Stuhlmann bei seiner Berufung betont, dass er nur für eine Übergangszeit für den Vorstandsvorsitz zur Verfügung stehe. Jürgen Zurheide

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