Wirtschaft : Für 200 Euro den „Dr. of Motivation“ Das Geschäft mit falschen Titeln

Christine Demmer

Wessen Ego sich nach zwei Buchstaben und einem Punkt vor dem Namen sehnt, der kann für einen Uniabschluss pauken und anschließend promovieren. Einfacher, schneller und manchmal sogar billiger bekommt man den Dr.-Titel per Online-Order.

Natürlich ist das verboten. Doch von den jährlich 25 000 Promotionen in Deutschland sind nach Schätzungen des Hochschulverbandes mindestens 250 nicht durch echte wissenschaftliche Leistungen erworben. Genaueres weiß man nicht – nur sehr selten dringen Titelbetrügerein ans Licht. So lange die schwarzen Schafe also ihren Titel unauffällig führen und sie nicht von einem Neider oder missgünstigen Konkurrenten angezeigt werden, dürfen sie sich in Sicherheit wiegen.

„Durch Titelkauf erworbene Grade dürfen nicht geführt werden“, schreibt der Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 14. April 2000 die eingeführte Rechtsprechung fort. Wer es dennoch tut, kann wegen Titelmissbrauchs angezeigt und zu einer Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahr verurteilt werden. Dazu bedarf es allerdings erst einer Anzeige und der Aufnahme des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft. Wo kein Kläger ist, da ist freilich auch kein Richter. So blüht der Handel mit Universitätsdiplomen und Doktortiteln.

Vor allem in der juristischen Grauzone des E-Commerce. Denn übers Internet lässt sich fast alles verkaufen – und so ziemlich alles ordern, wonach einem der Sinn steht. Woher die Ware stammt, interessiert den Käufer meist wenig. Schon gar nicht, wenn es sich um Prestigeobjekte handelt, deren Erwerb normalerweise viel Zeit, Arbeit und Gehirnschmalz fordern: die Abkürzung „Dr." vor dem Namen.

Nicht immer geht es gut. Kürzlich verhandelte das Berliner Landgericht über den Fall der „Akademus Wissenschaftsberatung“, die über eine englische Internet-Adresse und eine Kanzlei am Kurfürstendamm mehr als 70 gefälschte Doktorhüte für bis zu 44 000 Euro je Titel vertrieben haben soll. Den meisten Kunden reichte es, mit dem „Dr.“ Briefpapier und Visitenkarten zu schmücken. Einer allerdings wollte sich seinen feinen Titel im Personalausweis eintragen lassen. Weil ein Sachbearbeiter amtsgemäß nachprüfte, flog das Geschäft auf. Laut Akademus-Chef Martin D. sind Menschen aus allen Berufsgruppen an einem käuflichen Doktortitel interessiert. Die Motive sind immer dieselben: Eitelkeit, Reputation, Karriere.

Während sich „Akademus“ inzwischen aus dem Internet verabschiedet hat, ist Namensvetter „Academus“ – die deutsche Vertriebstochter der amerikanischen Degree Consulting, Inc. – immer noch gut im Online-Geschäft. Unter www.academus.com kann man sich für schlappe 200 Dollar den rätselhaften Titel eines „Doctor of Metaphysics“ in den Warenkorb legen. Ebenso wohlfeil sind neben verschiedenen Bachelor- und Master-Graden auch der „Doctor of Motivation“ und der „Doctor of Immortality“. Für ein paar Tausend Dollar kommt die von einer nicht näher genannten US-Universität „anerkannte Dissertation, in dreifacher Kopie beglaubigt“ samt Doktorhut („graduation cap, black“) ins Haus. Und die akademischen Weihen der Mave University mit Sitz auf den britischen Virgin Islands ( www.maveuniversity.org ) sind sogar im Doppelpack zu haben. Master- und Doktorgrad kosten zusammen 1200 Dollar, für ganze 100 Dollar mehr gibt es Doktor- und Professorentitel.

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