Wirtschaft : Für 99 Euro quer durch Europa

Lufthansa bietet ab April mehr Billig-Tickets an – jeder zehnte Platz soll zu Kampfpreisen verkauft werden

Rolf Obertreis,Flora Wisdorff

Frankfurt am Main - Die Lufthansa nimmt die Herausforderung der Billigflieger an und wird ab April für ganz Europa 99 Euro-Tickets für Hin- und Rückflug inklusive Steuern und Gebühren anbieten. Dazu kommt allerdings für jedes Ticket noch eine Buchungsgebühr von zehn Euro. Das kündigte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz an. Im Schnitt wird die Airline jeden Monat 350 000 Tickets für 99 Euro verkaufen. Mindestens zehn Prozent der Tickets pro Flug wird die Fluggesellschaft ab dem 3. April zu dem Preis von 99 plus zehn Euro anbieten – zu Zeiten, bei denen die Maschinen ohnehin eher leer sind, können es auch 15 Prozent sein, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Damit reagiert die Lufthansa auf den Druck, den die Billigflieger mit ihrem Geschäftsmodell vor allem im Europaverkehr auf sie ausüben. Sowohl die irische Ryanair als auch die britische Easyjet und die deutsche Air Berlin schnappen der Lufthansa viele Kunden weg. Für die Konkurrenten kommt die Lufthansa-Offensive zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Air Berlin plant einen Börsengang, um sich frisches Kapital zu beschaffen. Wildert Lufthansa im Kernmarkt von Air Berlin, könnte das Investment weniger attraktiv werden.

Die Lufthansa hatte bereits vor zwei Jahren teilweise das Modell der Billigflieger kopiert: Auf innerdeutschen Strecken gibt es seitdem ein Kontingent von zehn Prozent der Tickets pro Flug für 99 Euro. Im vergangenen Sommer kamen europaweite Ziele ab Düsseldorf und Hamburg dazu. Jetzt gilt die Offerte deutschlandweit auf allen Non-Stop-Flügen zu Zielen in der EU, in der Schweiz, in Norwegen und in der Türkei.

Nach Angaben des scheidenden Finanzchefs Karl-Ludwig Kley rechnet sich das Niedrig-Preis-Angebot. Bis 2008 will die Lufthansa auch durch diese Strategie das Betriebsergebnis auf eine Milliarde Euro nach oben schrauben. Erreicht werden soll dies auch durch höheres Wachstum und striktes Kostenmanagement. Im vergangenen Jahr war es um die Hälfte auf 577 Millionen Euro gestiegen. Der Gewinn nach Steuern erhöhte sich um zwölf Prozent auf 453 Millionen Euro, die Dividende steigt von 20 auf 30 Euro-Cent.

Mit dem Ergebnis von 2005 sind der Lufthansa-Chef und sein Finanzvorstand hoch zufrieden. Zumal es vor dem Hintergrund der hohen Treibstoff-Preise und der relativ schwachen Konjunktur erreicht wurde. Allein die Kerosinrechnung war 2005 um 843 Millionen Euro oder um 46 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Insgesamt musste die Lufthansa 2,7 Milliarden Euro für Sprit ausgeben. Für 2006 rechnet er mit Treibstoff-Ausgaben in Höhe von 3,3 Milliarden Euro.

Finanzchef Kley, der Ende Mai zum Chemie- und Pharmakonzern Merck wechselt, ist auch wegen der hohen Ölpreise vorsichtig mit seiner Prognose für 2006. „Meine Prognosen in diesem Unternehmen bleiben konservativ“, sagte er. In diesem Jahr sei ein operatives Ergebnis „mindestens auf dem Vorjahresniveau“ zu erwarten. Die Lufthansa stehe auf einem soliden finanziellen Fundament.

Alle Geschäftsfelder konnten einen Betriebsgewinn verbuchen, auch die Sorgenkinder Catering und die Touristik-Tochter Thomas Cook, an der Lufthansa und Karstadt-Quelle je die Hälfte der Anteile halten. Die guten Zahlen wirken sich auch auf die Personalpolitik aus: 2006 will Lufthansa erneut 2400 Flugbegleiter und Beschäftigte für den Bodendienst einstellen.

Nach Ansicht von Lufthansa-Chef Mayrhuber deckt die Airline mit dem erweiterten Billigangebot nun alle Preissegmente ab – bis hin zu Lufthansa Private Jets, mit denen sich zahlungskräftige Kunden von kleinen zu den großen Flughäfen fliegen lassen können. Die Zahl der Erste-Klasse-Passagiere ist 2005 um 20 Prozent gestiegen.

Mit der Integration der Fluggesellschaft Swiss komme man schneller voran als geplant. Die Kosteneinsparungen und Synergieeffekte seien schon jetzt höher als erwartet. Für 2006 rechnet Mayrhuber mit einem positiven Effekt von 150 Millionen Euro, doppelt so viel wie geplant. 2006 dürfte Swiss ausgeglichen abschließen, 2007 soll erstmals Gewinn erwirtschaftet werden.mit HB

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