Wirtschaft : Für den Deutsche-Bank-Chef wird es eng

Gericht lässt Anklage im Fall Mannesmann gegen Josef Ackermann unbeschränkt zu. Prozessbeginn erst im Januar

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Düsseldorf (jz/dr) Das Düsseldorfer Landgericht hat nun offiziell das Hauptverfahren gegen sämtliche sechs Angeschuldigte in der MannesmannAffäre eröffnet. Die Anklage gegen den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und den früheren IG-Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel sei „ohne Einschränkungen“ zugelassen worden, teilte das Gericht am Montag in Düsseldorf mit. Gleiches gelte für den früheren Mannesmann-Konzernbetriebsratschef Jürgen Ladberg.

Der Prozess soll klären, ob bei der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone rund 60 Millionen Euro veruntreut worden sind. Der Aufsichtsrat von Mannesmann hatte nach der Übernahmeschlacht Anfang 2000 Ex-Managern von Mannesmann rund 60 Millionen als Boni gewährt. Beobachter rechnen mit einem Prozessbeginn Termin nicht vor Januar des kommenden Jahres.

Beim früheren Aufsichtsratschef Joachim Funk und beim ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser hat die Kammer Einschränkungen gemacht. Funk ist in den Augen des Gerichtes nicht dafür verantwortlich, dass er selbst sechs Millionen Mark an Abfindungen neben seiner Pension erhalten hat. Funk profitiert davon, dass sich die Auszahlung des Geldes an ihn trotz seiner mächtigen Interventionen erheblich verzögert hatte. Am Ende wurde er erst bedacht, nachdem der neue Aufsichtsrat unter Führung des neuen Chefs von Vodafone, Chris Gent, die Mittel bewilligt hatte. Damit ist der Untreuevorwurf (siehe Lexikon Seite 18) der Ankläger in diesem Punkt nach Ansicht des Gerichtes nicht mehr aufrecht zu erhalten. Esser wird bezogen auf die Pensionszahlungen entlastet, weil er nach Einschätzung der Richter als Vorstand keinen Einfluss auf den Aufsichtsrat hatte und auch bezogen auf die Abfindungen der Vorstandsmitglieder nur als Mittäter in Betracht kommt.

Die Ankläger waren erleichtert, dass die 14. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts ihnen bei Ackermann sowie bei Zwickel und Betriebsratschef Ladberg vollständig gefolgt ist und die Anklage so zugelassen hat, wie man es auf den mehr 250 Seiten begründet hatte. Unzufrieden war man allerdings mit den Einschränkungen bei den anderen Angeschuldigten. Auf den Fluren der Anklagebehörde geisterte das Wort vom Widerspruch umher. „Wir prüfen das“, bestätigte Sprecher Johannes Mocken.

Was die Einschränkung später im Prozess bedeutet, wird sich noch zeigen. Sollten neue Anhaltspunkte auftauchen, kann das Gericht neue rechtliche Hinweise geben. Außerdem spielt für eine mögliche Strafe auch eine Rolle, dass Esser selbst begünstigt war. Esser wie Ackermann setzten allerdings darauf, dass sie im Prozess ihre Unschuld beweisen können.

Er bekommt derweil Unterstützung. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wies am Montag nochmals darauf hin, dass alle Beteiligten bis zu einem Schuldspruch als unvorbelastet gelten. Und die ihm unterstellte Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) trat Meldungen entgegen, sie prüfe bereits, ob Ackermann die Deutsche Bank während des Prozesses weiter führen könne. Eine Sprecherin sagte dem Tagesspiegel, die BaFin beobachte das Verfahren lediglich im Rahmen ihrer normalen Tätigkeit. Auch sei mit dem Bundesfinanzminister nicht über eine mögliche Ablösung Ackermanns gesprochen worden. Theoretisch könnte die Bankenaufsicht Ackermann zwingen, sein Amt ruhen zu lassen. Auch der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Dietrich Hoppenstedt, stellte sich hinter Ackermann.

Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, für die Margret Möning-Raane im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, tat man sich unterdessen schwer mit einem Kommentar. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe arbeitete man immer noch an einer offiziellen Stellungsnahme zu dem Fall.

Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ebenfalls zurück. Am Ende des Verfahrens werde sich die Haltlosigkeit der Vorwürfe erweisen, erklärte sein Anwalt Jürgen Pauly.

Die Börse zeigte sich zunächst wenig irritiert. Zwar gab der Kurs der Aktie der Deutschen Bank bis zum späten Nachmittag um 2,1 Prozent auf 56,93 Euro nach. Allerdings tendierte der Markt insgesamt schwach.

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