Wirtschaft : Für die Anleger ein bisschen Schampus

Henrik Mortsiefer

Nein, vom Optimismus der Börsianer haben wir genug. Gerade ist das traurige Jahr 2001 verlustreich zu Ende gegangen, da versprechen die Anleger-Magazine schon ein "Boomjahr 2002". Wie selbstverständlich wird erklärt, "warum die Kurse im Neuen Jahr steigen". Zweifel unerwünscht! Als seien nach dem 11. September nicht alle Voraussagen Makulatur. Im Januar noch rechnete die Mehrheit der Experten im Jahresverlauf mit 8000 Dax-Punkten. Am Ende sind gerade mal 5160 daraus geworden. Doch die Fehlbarkeit der Profis sollte nicht überbewertet werden. Daneben gelegen haben sie schon immer. Und Terroranschläge lassen sich nicht voraussagen.

Was schwerer wiegt, ist die professionelle und geschäftstüchtige Blindheit vor den Zyklen der Börse. Dass die Kurse fallen, wenn die Wirtschaft wie in diesem Jahr auf eine Rezession zusteuert, ist nicht neu. Erste Vorboten der Krise waren schon früh erkennbar. Dem Optimismus der Anlageberater und Investmentbanker tat dies keinen Abbruch. Ihre Empfehlung lautete, wie sie immer lautet: kaufen, kaufen, kaufen. Wer zurückblättert, findet auch im Januar und Februar das Versprechen eines Boomjahrs 2001. Beim Blick ins kommende Jahr bleibt Vorsicht also angebracht. Vorsichtiger Optimismus, wenn man so will. Denn der Aufschwung kommt später als erhofft, die Gewinne der Unternehmen werden langsamer steigen, die Spekulationsblasen an den Neuen Märkten sind noch nicht alle geplatzt. Aber die Rahmenbedingungen verbessern sich. Riester-Rente, Steuerreform und der Euro werden die Kapitalmärkte stimulieren. Ein bisschen Schampus sei den Anlegern also zum Jahreswechsel gegönnt.

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