Wirtschaft : Für die Deag ist die Krise überwunden

Konzertboom hilft Peter Schwenkow bei der Sanierung/Die gesamte Branche ist optimistisch

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Berlin (fo). Der Berliner Konzert und Tourneeveranstalter Deutsche Entertainment (Deag) ist bei der Sanierung vorangekommen. „So schlecht es uns letztes Jahr ging, so gut geht es uns in diesem Jahr“, sagte Deag-Chef Peter Schwenkow dem Tagesspiegel. Dazu tragen vor allem das Auslandsgeschäft und die guten Vorausbuchungen für die laufende Saison bei, wie Schwenkow betont. Die Konzentration auf das Konzertgeschäft zahle sich aus.

Im vergangenen Geschäftsjahr habe das Unternehmen operativ wieder schwarze Zahlen geschrieben, teilte die Deag am Donnerstag mit ohne konkrete Zahlen zu nennen. Im vierten Quartal betrug den Angaben zufolge der Gewinn vor Steuern und Zinsen zwei Millionen Euro. Das Jahresergebnis ist jedoch wegen der Trennung vom Musicalveranstalter Stella und von der Online-Ticketagentur Quivive negativ. Die Deag musste umfangreiche Abschreibungen vornehmen.

Das Krisenjahr 2002 schließt der größte deutsche Veranstalter mit 135 Millionen Euro Umsatz ab. Das Veranstaltergeschäft boomt offenbar trotz Wirtschaftsflaute und Irakkrise. Schwenkow hat Künstler wie Bon Jovi, Bruce Springsteen, Peter Maffay, Paul McCartney und Gruppen wie REM oder die Rolling Stones unter Vertrag. Bereits zum Jahresende berichtete der Deag-Chef von einem sehr guten Vorverkauf. Diese optimistische Einschätzung wiederholte er am Donnerstag und unterstrich noch einmal seine Prognose von 120 Millionen Euro Umsatz und zwei bis 2,5 Millionen Euro Jahresüberschuss für 2003.

Zudem hätten die Kosten deutlich gesenkt werden können: Innerhalb eines Jahres seien die Verwaltungsaufwendungen auf vier Millionen Euro halbiert worden. Für 2003 will Schwenkow auf 2,3 Millionen Euro herunter.

Optimistisch ist zur Zeit die gesamte Branche. Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft, kann jedenfalls fast nur von „zufriedenen Veranstaltern“ berichten. Die Konjunktur der Freizeitindustrie laufe zur Zeit antizyklisch. Das bedeutet: Allen Rezessions- und Kriegsängsten zum Trotz brummt das Geschäft mit Musikevents jeder Art. Über den Grund kann auch Michow nur Vermutungen anstellen: „Die Menschen sind es einfach leid, abends am Fernsehen sich nur das Leid dieser Welt anzusehen.“

Selbst hohe Arbeitslosigkeit und sinkende Nettoeinkommen können die Konzertlust nicht bremsen – obwohl die Preise grenzenlos zu steigen scheinen. Wer die Rolling Stones sehen und hören will, muss inzwischen mindestens 99 Euro auf den Tisch legen. Noch vor einigen Jahren, gibt Michow freimütig zu, habe er geglaubt, dass bei 100 D-Mark die Schallgrenze für Konzertkarten liege.

Die Hohen Eintrittspreise schlagen sich allerdings nicht zwingend in Gewinnen der Konzertveranstalter nieder. Die Preise, sagt Michow, werden von den Künstlern bestimmt und die kassierten bis zu 95 Prozent der Einnahmen. Die genauen Zahlen für das Jahr 2002 will die Berliner Deag am 27. März präsentieren. Ein Vergleich mit den Vorjahren ist wegen des Sanierungskurses kaum möglich. Noch 2001 machte die Deag 300 Millionen Euro Umsatz, schrieb aber nur wegen außerordentlicher Erlöse schwarze Zahlen. Der Zusammenbruch des Musical-Veranstalters Stella brachte die Deag vor etwa einem Jahr an den Rand des Ruins. Stella und der Online-Händler wurden abgestoßen und belasten die Bilanz mit 31 Millionen Euro Abschreibungen. Die Eigenkapitalbasis sackte auf ein Minimum. Heute weist die Deag im Konzern nach Schwenkows Angaben wieder rund 35 Millionen Euro Eigenkapital aus. Dafür wurden Beteiligungen verkauft und Reserven in der Bilanz gehoben.

Die Banken hatten im vergangenen Sommer zugesagt, den Sanierungskurs zu begleiten. Die Kreditlinien laufen bis März 2003. Und zur Zeit, so Schwenkow, liefen die Verhandlungen um eine Verlängerung.

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