Wirtschaft : Für die USA ist es kein Problem, wenn Argentinien den Dollar einführt

DAVID WESSEL[CRAIG TORRES],JOSE DE CORDOBA

18 Monate lang beobachteten die Argentinier, wie sich eine Währung nach der anderen dem Druck der weltweiten Spekulation beugen mußte.Jetzt überlegen Regierung und Notenbank, den ultimativen Schritt zu wagen und komplett aus dem Geschäft mit der eigenen Währung auszusteigen.Präsident Carlos Menem hat sein Finanzministerium gebeten zu prüfen, wie sinnvoll es ist, den Peso aufzugeben: Die Argentinier wären in Zukunft in allem - vom Lebensmitteleinkauf bis zur Immobilienrate - auf den Dollar angewiesen.

Für die Diskussion um die Verbannung des argentinischen Peso gibt es einen virulenten Grund: das Debakel in Brasilien, wo die Regierung die Währung zuerst abwerten mußte, und sie dann später ganz freigab.

Die weltweite Finanzkrise hat ein Schlaglicht auf die Mängel des bestehenden Mischmaschs von Währungsvereinbarungen geworfen.Länder wie Brasilien - das gehofft hatte, eine strenge Bindung an den Dollar oder eine Freigabe der Währung durch eine Hochzinspolitik vermeiden zu können - haben entdeckt, daß es wahrscheinlich unmöglich ist, einen Mittelweg zu gehen.Brasilien hatte versucht, die Märkte davon abzuhalten, den Real unter die erlaubte Schwankungsbreite zu drücken.Brasilien ist damit spektakulär gescheitert.Nun muß es das tun, was Thailand, Südkorea und Indonesien tun mußten: die Märkte über den Kurs der Devisen bestimmen zu lassen.

Es ist keine leichte Entscheidung, sich von der eigenen Währung, dem greifbarsten Symbol des Nationalbewußtseins, zu trennen.Die eigene Währung für eine andere aufzugeben, über die man überhaupt keine Kontrolle hat, ist fast undenkbar - es sei denn, man führt sich den Horror Argentiniens, die große Inflation der achtziger Jahre noch einmal erleben zu müssen, vor Augen.Für die USA würde eine solche Entscheidung indes erstaunlich wenig bedeuten.Schon jetzt kursieren zwei Drittel des gesamten Dollar-Bestandes von 472 Milliarden Dollar außerhalb der US-Grenzen.Dennoch haben in der Vergangenheit nur wenige Länder den Dollar als alleinige Währung eingeführt.Panama zum Beispiel.Das Land führte den Dollar 1904 ein und hatte in der Folge eine der niedrigsten Inflationsraten Lateinamerikas in diesem Jahrhundert.Aber Panama ist auch das beste Beispiel für die Verwundbarkeit von Ländern, die die währungspolitische Souveränität aufgeben.1988 haben die USA versucht, Geldnoten-Sendungen zu blockieren, um General Antonio Noriega zu schwächen.Zwar kamen die Bürger mit den verlotterten und abgegriffenen Noten aus, aber der Mangel an Bargeld stürzte das Land in Chaos und eine tiefe Rezession.

Es wäre verhältnismäßig einfach, Argentinien mit Dollars zu versorgen.Das Land hat Pesos im Wert von ungefähr 16 Milliarden Dollar im Umlauf.Das Finanzministerium plant, in diesem Jahr 11,4 Milliarden neue Geldscheine im Wert von 261,5 Milliarden Dollar herzustellen.

Wirtschaftlich dagegen profitieren die Vereinigten Staaten von dem Gebrauch ihrer Währung im Ausland.Um Dollarnoten zu erhalten, müssen Ausländer mit etwas Wertvollem - wie DM, Gold, Öl, oder Tequila - handeln.Im Gegenzug erhalten sie ein Stück Papier, das in der Herstellung vier Cents kostet.Der Tausch läuft auf ein zinsfreies Darlehen für die U.S.-Regierung hinaus.Es erspart ihr Zinszahlungen in Höhe von ungefähr 14 Mrd.Dollar - etwa die Höhe des gesamten Entwicklungshilfe-Etats.Wenn Argentinien, das jetzt US-Schatzwechsel beseitzt, sich ausschließlich auf den Dollar stützte, müßte es Papierwährung (auf die die USA keine Zinsen zahlen) durch den Tausch von Schatzwechseln im Wert von 16 Mrd.Dollar kaufen.Dadurch würden die Vereinigten Staaten weitere 750 Millionen Dollar an Zinskosten sparen.

Übersetzt und gekürzt von Svenja Rothley

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