Wirtschaft : Für die Windkraft sollen alle zahlen

Eon und Vattenfall wollen 2,35 Milliarden Euro Zusatzkosten für Leitungen und Kraftwerke gerecht verteilen

Dieter Fockenbrock

Berlin. Der geplante massive Ausbau der Windenergie in Deutschland führt bei den Stromkonzernen Eon und Vattenfall zu Zusatzkosten von mehr als 2,3 Milliarden Euro. Die Versorgungsgebiete der beiden Unternehmen decken Nord- und Ostseeküste ab. Dort stehen die meisten Windräder. Nach einem Gutachten, das die beiden Stromversorger bei der Technischen Hochschule Aachen in Auftrag gegeben haben, belaufen sich die Kosten in den nächsten Jahren auf gut eine Milliarde Euro für den Ausbau der Leitungsnetze sowie jährlich rund 1,35 Milliarden Euro für das Vorhalten zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten, um Stromschwankungen bei der Windenergie auszugleichen.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) will den Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung von jetzt knapp sechs Prozent in zehn Jahren verdoppeln. Die bereits installierten Windräder entsprechen etwa einer Leistung von 12 800 Megawatt. Vor allem vor der Küste (Offshore) sollen in Zukunft noch große Windparks entstehen.

Der Düsseldorfer Konzern Eon und die Berliner Vattenfall Europe wollen bei Trittin durchsetzen, dass im Zuge der anstehenden Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) diese Mehrkosten berücksichtigt werden. Bislang, so argumentieren sie, müssen allein die Eon- und Vattenfall-Kunden diese Lasten tragen. Die Unternehmen fordern, die Windenergie-Zusatzkosten auf alle Stromversorger in Deutschland umzulegen. Dass sie bei der aktuellen EEG-Novelle (siehe Kasten) offenbar keine Chance dafür haben, stört die Initiatoren der Studie nicht. Denn auch das Energiewirtschaftsgesetz, wird argumentiert, müsse überarbeitet werden. Und genau da werde auch die Frage der so genannten Regelenergie geklärt.

Deutschland ist in vier Regelzonen aufgeteilt: Eon, EnBW, RWE und Vattenfall sind dazu verpflichtet, in ihren jeweiligen Versorgungsgebieten die Stabilität des Stromnetzes zu halten und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Fällt etwa ein Kraftwerk wegen eines Defektes aus oder steigt der Stromverbrauch unerwartet stark an, muss das jeweilige Unternehmen Kapazitäten zuschalten. Die Produktion mit Windrädern ist naturgemäß sehr abhängig von der Witterung, so dass im Hintergrund relativ hohe Reservekapazitäten stehen müssen. Eon beispielsweise rechnet damit, dass sich die Windkraftanlagen in seinem Gebiet von 3500 Megawatt (2001) bis zum Jahr 2016 auf 16 000 Megawatt mehr als vervierfachen werden. Die damit verbundene Reserve wird auf 10 000 Megawatt Kraftwerkskapazität berechnet, was „grob geschätzte Zusatzkosten von jährlich bis zu 850 Millionen Euro allein für das Gebiet von Eon zur Folge hat“, heißt es in dem Gutachten. Bei Vattenfall wird dieser Betrag mit 500 Millionen Euro beziffert.

Energiepolitiker aus der rot-grünen Koalition werten solche Zahlen teilweise als überhöht. „Da wird versucht, ein Riesenproblem aufzubauschen“, heißt es. Sie räumen allerdings ein, dass durch die Regelenergie in den vier Versorgungsbereichen Zusatzkosten in erheblichem Umfang entstehen – auch ohne die Windkraftanlagen. Die Notwendigkeit, hier aus Wettbewerbsgründen Regeln zu finden, wird anerkannt.

Eon und Vattenfall verlangen aber auch für den Ausbau ihrer Netze wenigstens teilweise Kompensation. Die Unternehmen veranschlagen nach dem Gutachten für den notwendigen Netzausbau jeweils rund 500 Millionen Euro. Insgesamt müssten 1500 Kilometer neue Leitungen gebaut werden. Denn Stromproduzenten (Küste) und Stromverbraucher (Südwestdeutschland) lägen weit auseinander.

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