Wirtschaft : Für eine Entwarnung zu früh

Die asiatischen Börsen ziehen wieder an.Hongkongs Börsenbarometer, der Hang-Seng-Index, hat sich seit dem Tief im vergangenen Jahr verdoppelt, und auch der japanische Nikkei-Index erholte sich seit seinem Absturz im Zuge der Asienkrise deutlich.Sollten Privatanleger jetzt wieder in Asien einsteigen? Wie groß ist die Gefahr eines Rückschlags? Heike Jahberg fragte den Chef-Volkswirt der Industrial Bank of Japan, Eckhard Schulte.

TAGESSPIEGEL: Ist die Wende in Asien da?

SCHULTE: Die asiatischen Börsen haben die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Konsolidierung in den Kursen bereits eingepreist.Nehmen Sie den japanischen Nikkei-Index: Er hat seit seinem Tiefstand 30 Prozent gewonnen, weil die Anleger davon ausgehen, daß der Aufschwung vor der Tür steht.Die tatsächlichen Zahlen aus Japan sind aber immer noch schwach.

TAGESSPIEGEL: Ist das Vertrauen gerechtfertigt?

SCHULTE: Die größten Anpassungsprobleme in Asien scheinen bewältigt.Die japanische Wirtschaft sollte sich in den kommenden Quartalen stabilisieren.Aber für eine Entwarnung ist es zu früh: Japan läuft jetzt Gefahr, von der Rezession in eine Stagnation zu rutschen.Grundsätzlich würde ich sagen, ein gewisser Optimismus ist gerechtfertigt, aber eine so stürmische Aufwärtsentwicklung wie in den frühen 90er Jahren werden die asiatischen Länder nicht wieder erleben.

TAGESSPIEGEL: Welche Länder werden sich als erste erholen?

SCHULTE: Von allen asiatischen Ländern haben Südkorea und Thailand sicherlich die größten Restrukturierungserfolge vorzuweisen.Indonesien und Malaysia hinken, verglichen mit diesen Ländern, deutlich hinterher.

TAGESSPIEGEL: Und was ist mit Japan?

SCHULTE: Japan kommt eine Schlüsselfunktion für ganz Asien zu.Wenn sich dieses Land stabilisiert und wieder Fuß faßt, hat das positive Effekte für die gesamte Region.Aber ich glaube, daß es noch einige Zeit dauern wird, bis Japan wieder ein deutliches Wirtschaftswachstum erzielen kann.Obwohl sie angegangen werden, sind die strukturellen Probleme nach wie vor enorm - im Bankenbereich, bei der Verschuldung, aber auch, was die Überalterung der Gesellschaft angeht.

TAGESSPIEGEL: Was raten Sie Anlegern, die jetzt wieder in Asien investieren wollen? Sollen sie Fonds kaufen oder bestimmte Aktienwerte?

SCHULTE: Das hängt von der Anlagestrategie ab.Wer sich nicht so intensiv mit den Märkten beschäftigten möchte, sollte einen breiter angelegten, stark diversifizierenden Asienfonds kaufen.Wer dagegen ein aktiver Anlagetyp ist und auch bereit ist, einige Zeit zu investieren, kann sich auf Länderfonds oder einzelne Werte verlegen.

TAGESSPIEGEL: Welche Länderfonds empfehlen Sie?

SCHULTE: Fonds, die ihren Anlageschwerpunkt in Südkorea, Thailand oder Japan haben.

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