Wirtschaft : Für eine Handvoll Kronen

Mit „Zahnersatz zum Nulltarif“ will McZahn den deutschen Markt umkrempeln. Auch Berlin ist im Visier

Arvid Kaiser

Krefeld - Katharina Henn strahlt das schönste Lächeln, das ihr Gebiss mit sieben Zahnlücken hergibt. Die Putzfrau aus dem niederrheinischen Brüggen ist die erste Patientin der McZahn-Praxis von Oliver Desch in einem modernen Milchglasbau in der Krefelder Fußgängerzone. Während sich die Neugierigen, die zur Praxiseröffnung am Donnerstag kamen, auf Januar vertrösten lassen mussten, hat sich Henn schon vor Monaten den Termin gesichert. Ihr Bruder hatte im Radio die drei Worte gehört, die McZahn jetzt auch auf die Klingel, in den Fahrstuhl und an den Eingang gedruckt hat: „Zahnersatz zum Nulltarif“. Das Versprechen will Zahnarzt Desch mit der herausnehmbaren Brücke, die er für Katharina Henn plant, einlösen. Henn ist zufrieden: „Ich habe es bisher nicht machen lassen, weil ich mir das nicht leisten konnte.“

Auf die Verlierer der vergangenen Gesundheitsreformen setzt das Konzept von McZahn: Kronen und Brücken werden billig in China gefertigt. Dadurch soll der Zahnersatz nicht mehr kosten, als die Krankenkassen erstatten. Jedenfalls, solange es um Regelleistungen geht. „Wer Goldkronen will, muss natürlich zuzahlen“, sagt Vorstandssprecher Werner Brandenbusch. Er, Desch und ihre Mitstreiter, darunter der aus China stammende Kaufmann Pai Mao Yeh, wollen McZahn bundesweit zu einer Marke machen. Die Firma richtet Praxen im einheitlichen Stil ein und überlässt sie Zahnärzten, die als Franchise-Nehmer etwa 35 000 Euro Eintritt zahlen, bis zu 20 Prozent ihres Honorars an McZahn abliefern und den Zahnersatz im chinesischen McZahn-Labor anfertigen lassen. „Der Arzt muss nur aufschließen und losbohren“, sagt Brandenbusch. Das Interesse sei gewaltig. 23 Verträge über neue Filialen seien bereits unterschrieben, 61 Zahnärzte auf der Warteliste. 400 neue Praxen bis Ende 2009, so lautet das Ziel. Auch mit einem Berliner Zahnarzt sei McZahn im Gespräch. Wann und wo McZahn neu eröffnet, sollen jedoch die Franchise-Nehmer selbst verkünden. „Das sind oft etablierte und erfolgreiche Zahnärzte“, sagt Brandenbusch. „Die wollen sich mit Zweitpraxen selbst Konkurrenz machen, bevor es ein anderer tut.“

Das Wort von der Billigkonkurrenz beunruhigt die Branche. „Das Franchise-Geschäftsmodell wird für den Zahnarzt als Heilberuf das Ende bedeuten“, warnt Walter Rinkler vom Verband Deutscher Zahntechnikerinnungen. Die Franchise-Nehmer würden zu „Erfüllungsgehilfen von Renditezielen“. Er rechne damit, dass McZahn ihnen vorgibt, wie viele Kronen und Brücken sie in China bestellen müssen. Am meisten leide darunter sein eigener Berufsstand: „Sie picken die Rosinen, woran man etwas verdient. Für den Rest muss dann das altgediente Zahntechnikerhandwerk herhalten.“ Wegen mangelnder Abstimmung zwischen Arzt und Labor werde die Qualität abnehmen.

Gelassener gibt sich Axel Kaiser, Geschäftsführer des Berliner Zahntechniklabors Prodentum, das seit 1992 Zahnersatz aus Singapur einführt – nach eigenen Angaben eins von fünf großen Laboren, die bereits Auslandszahnersatz anbieten. „Die hiesigen Labore können auch günstig sein“, meint er. Dazu bräuchten sie sich nur auf feinere Arbeiten wie Reparaturen konzentrieren. Dann lasse sich das grobe Handwerk als billige Massenproduktion auslagern. Gegen Auslandszahnersatz spreche nach seiner Erfahrung der teure Transport. „Man hat uns auch immer angelastet, wir würden die Zahntechnik in Deutschland kaputt machen“, sagte Kaiser. Aber der Auslandszahnersatz mache bis heute in Deutschland nur drei Prozent aus. Er gebe McZahn nur zwei Jahre, bis das Billigkonzept an den Ansprüchen der deutschen Patienten scheitern werde.

Jürgen Fedderwitz, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, bezeichnet den Start von McZahn als „PR-Gag“. Zahnersatz ohne Zuzahlung gebe es schon: für Patienten, die von den Kassen als Härtefälle eingestuft werden, oder bei manchen Produkten für diejenigen, die mit regelmäßigen Zahnarztbesuchen seit Jahren ihr Bonusheft pflegen. Er sorge sich darum, dass McZahn-Ärzte „den Patienten nur durch die Prothetik-Brille sehen“. Dadurch gerate die Vorsorge in den Hintergrund.

Werner Brandenbusch antwortet auf alle Argumente mit einem Satz: „Das, was wir tun, erzeugt Neid.“

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