Wirtschaft : Für einen Würfel Schrott

Die Abwrackprämie treibt das Geschäft der Verwerter. Es soll aber noch besser werden

Esther Wiemann
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Berlin - Ein paar Tage bleiben ihm noch – mit etwas Glück vielleicht noch eine Woche. Stoßstange und Motorhaube des blauen Opel Astra sind eingedrückt. Traurig sieht er aus, wie er dasteht neben einem roten Mazda, Baujahr 1987, und einem grünen Ford Escort von 1991. Der Lack ist blass mit Rostflecken und die Sitzpolster sind ausgeblichen. Ein Gabelstapler spießt einen alten Golf auf und setzt ihn auf zwei anderen Autos ab.

Etwa 250 Wagen in verschiedenen Verschrottungsstadien stehen auf dem Hof, einige sind nur noch Hüllen, alle verwertbaren Teile wurden ausgebaut. Daniela Korndorf erledigt am Verkaufstresen des Demontagebetriebs die letzten Formalien. Sie und ihr Mann haben den Opel Astra hergebracht. Sie bekommen dafür den Verwertungsnachweis, den sie für die Beantragung der Abwrackprämie brauchen.

„Das passte“, sagt Korndorf. Nur wenige Tage nach ihrem Unfall erfuhr sie von der neuen staatlichen Prämie. Bei der Glätte Anfang Januar war sie mit ihrem Opel gegen ein Straßenschild gerutscht. Die Reparatur des 17 Jahre alten Pkw würde mehr kosten, als er noch wert ist. „Statt höchstens ein paar Hundert Euro für den Wagen zu bekommen, gibt es nun 2500 Euro“, sagt Korndorf. Den Wagen hatte sie 2003 von ihrer Mutter übernommen. Jetzt steht er auf dem Hof von Helmut Juschkat und wartet auf die Verschrottung.

Juschkat, zertifizierter Autoverwerter, in Blaumann mit schwarzer Schiebermütze und Berliner Schnauze, hofft, dass die Prämie mehr Umsatz bringt. In den letzten Jahren hatten es die Autoverwerter schwer. Zwar dürfen nur die zertifizierten Betriebe Fahrzeuge verschrotten, bisher verkauften viele Autobesitzer ihren Alten jedoch lieber an Gebrauchtwagenhändler, die die Autos nach Afrika oder Osteuropa schicken. Nur 1400 Pkw wurden bei Juschkat im letzten Jahr entsorgt – theoretisch könnten es 10 000 sein.

Seitdem es die Abwrackprämie gibt, kommen etwas mehr Autos – allein 30, die wegen der 2500 gekommen sind, meint Juschkat –, vor allem Mittelklassewagen.

Anspruch auf die Prämie besteht nur, wenn der Wagen mindestens neun Jahre alt ist. Die meisten, die bei Juschkat abgegeben werden, sind älter als 15 Jahre. Mit dem großen Ansturm rechnet der Verwerter erst im April oder Mai. „Die Autohäuser haben mittlerweile lange Lieferfristen für die Neuwagen“, erklärt er. Mehr Arbeit hat Juschkat auch jetzt schon durch die Abwrackprämie. „Jede Menge Papierkram“, sagt er. Den ganzen Tag schellt außerdem pausenlos das Telefon. Viele wollen sich erst einmal informieren, bevor sie sich entscheiden, den Wagen abzugeben. „Immer wieder erzählt man dasselbe“, sagt Juschkat ruppig. Als das Telefon wieder klingelt, ist er dann aber sehr geduldig. „Das Geld bekommen sie von der Behörde. Den Verwertungsnachweis gibt es hier“, erklärt er. Richtig sauer wird er nur, wenn jemand Betrügereien vorhat. Ab und zu rufen Leute an und fragen, ob sie den Nachweis bekommen und den Wagen anschließend wieder mitnehmen können. Doch er sei ehrlich, sagt Juschkat. Für ihn komme so etwas nicht infrage.

Nebenan in der Halle schraubt ein Mitarbeiter an einem 17 Jahre alten Fiat. Noch brauchbare Teile des Autos dürfen als Ersatzteile verwendet werden. Alles, was noch intakt ist, wird deshalb abmontiert, zum Beispiel Türen und Motorhauben. Besonders gefragt sind Leuchten und Außenspiegel, weil sie oft beim Einparken kaputt gehen. In den Regalen der Halle stapeln sich die Autoteile. In großen Einkaufswagen liegen Lichtmaschinen, Antriebswellen und alte Kühler.

Auf einer Hebebühne steht ein zwanzig Jahre alter Golf. Vorn an der Windschutzscheibe baumeln zwei Plüschwürfel. Mit einer Pumpe, die unter dem Fahrzeug steht, werden Motoröl, Bremsflüssigkeiten und Frostschutzmittel abgesaugt. Das Fahrzeug ist „trocken gelegt“.

Der nächste Schritt ist die Presse. Ein großer Deckel schließt sich über dem Fahrzeug und drückt es zusammen. Nach drei Minuten ist alles vorbei. Was einst ein Opel Corsa war, ist nun noch ein grüner Würfel – eine Tonne Metall-Schrott. Auch das Auto von Daniela Korndorf wird bald so aussehen. Doch das ist ihr egal. Sie freut sich längst auf ihren Neuen – ein blauer Astra.Esther Wiemann

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