Wirtschaft : Für Kinowelt läuft die letzte Frist

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Für die Kinowelt Medien AG läuft die letzte Frist bis zur Pleite. Die niederländische Bank ABN Amro stellte am Freitag als Kreditgeber einen Insolvenzantrag für das hoch verschuldete Unternehmen. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel prüft unterdessen, ob Kinowelt zu spät über seine drohende Pleite informiert hat. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres stürzte das Unternehmen noch tiefer in die Verlustzone.

Der Konkurs sei bereits am Donnerstag beantragt worden, teilte Kinowelt am Freitag in München mit. Die Bank habe das Unternehmen per Fax darüber informiert. Dennoch will das am neuen Markt Unternehmen den Kampf ums Überleben nicht aufgeben. "Kinowelt wird in Gesprächen noch versuchen, eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen," heißt es in einer Pflichtmitteilung. In den letzten Rettungsversuch soll offenbar auch die bayerische Landesregierung einbezogen werden. Um eine Lösung zu finden, bleibe eine letzte Frist bis 21. Dezember. Das Amtsgericht München muss nach Eingang des Insolvenzantrags nun entscheiden, ob es einen Insolvenzverwalter bei Kinowelt einsetzt.

Ärger könnte Kinowelt mit dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) bekommen: Eine Sprecherin sagte am Freitag, das Amt prüfe derzeit, ob Kinowelt die Kündigung des Kredits von ABN Amro nicht unverzüglich nach deren Erhalt per Ad-hoc-Meldung hätte mitteilen müssen. Kinowelt-Chef Michael Kölmel hatte unlängst behauptet, die Kündigung sei am späten Freitagnachmittag eingangen. Das Unternehmen hatte aber erst am vergangenen Montag eine Ad-hoc-Mitteilung publiziert. Ein Kinowelt-Sprecher sagte, in der Zwischenzeit sei die Rechtsgültigkeit der Kündigung geprüft worden. Die BAWe-Sprecherin betonte, gegen das Unternehmen hege die Aufsicht nicht den Verdacht eines Insider-Verstoßes. Für Ad-hoc-Verstöße seien bislang Geldbußen bis 100 000 Mark verhängt worden. Außerdem prüft das Amt, ob Kinowelt nicht am 16. Oktober ad hoc hätte mitteilen müssen, dass es einen Vertrag über die Film- Trilogie "Herr der Ringe" gekündigt habe, der rund 50 Millionen Mark Umsatz gebracht hätte.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs ist Kinowelt noch tiefer in die Verlustzone gestürzt. Bis Ende September sei vor Steuern und Zinsen ein Defizit von 272,2 Millionen Euro (Vorjahr: 28 Millionen Euro) aufgelaufen, teilte das Unternehmen mit. Dafür verantwortlich sei vor allem die soeben vereinbarte Rückgabe eines Filmpakets an das US-Studio Warner, die einen außerordentlichen Aufwand von 130 Millionen Euro verursacht hatte. Das Eigenkapital ist durch die Misere bis Ende September massiv von 341 auf 31,9 Millionen Euro abgeschmolzen. Die Verluste übersteigen bei weitem die Umsätze, die nach neun Monaten 2001 um ein Fünftel auf gut 168 Millionen Euro geschrumpft sind. Zumindest im operativen Geschäft sehen die Münchner für das laufende vierte Quartal eine Entspannung der Lage. Nach den jüngsten Einschnitten erwirtschafte die Gruppe zurzeit operative Überschüsse vor Zins, Abschreibung und Tilgung. Die Kinowelt-Aktie war vor Bekanntgabe des Insolvenzantrags zeitweise vom Handel ausgesetzt worden. Zuvor musste das Papier einen neuerlichen Verlust auf weit unter einen halben Euro hinnehmen. Zu Glanzzeiten hatte die Aktie bei 84 Euro notiert.

EM.TV verliert

Die Verluste im Kerngeschäft Rechtehandel des Medienkonzerns EM.TV haben sich in den ersten neun Monaten drastisch ausgeweitet. Im Vergleich zum Halbjahr stieg der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) vor allem durch Abschreibungen um mehr als 127 auf rund 187 Millionen Mark, teilte die EM.TV Merchandising AG am Freitag in München mit. "Wir müssen an unserem Kerngeschäft arbeiten", sagte eine Sprecherin. Im Konzern wurde der Verlust nur durch Gewinne im Formel-1-Geschäft abgefedert, das weitgehend an die Kirch-Gruppe abgetreten wurde. Damit blieb ein Ebit von rund 104 Millionen Mark.

Da EM.TV inzwischen nur noch eine Finanzbeteiligung an der Formel 1 hält, wird sie im Jahr 2002 nicht mehr konsolidiert. Durch hohe Zinsbelastungen für die Formel-1-Rechte entstand in den ersten neun Monaten bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden Mark ein Vorsteuer-Verlust von 115 Millionen Mark. Vergleichszahlen auf pro-Forma-Basis legte EM.TV allerdings nicht vor. Mehrere Analysten kritisierten die mangelnden Informationen. Der neue Vorstandschef Werner E. Klatten (Foto: ddp) sieht das Unternehmen trotz der anhaltenden Verluste auf Kurs. dpa

Senator enttäuscht

Der Berliner Filmproduzent und Rechtehändler Senator Entertainment AG hat die Erwartungen enttäuscht und seine Prognosen für 2002 nach unten korrigiert. Vorstandschef Hanno Huth (Foto: teutopress) sagte am Freitag, wegen der Verschiebung wichtiger Abschlüsse werde für das Gesamtjahr nur noch mit einem Umsatz von 125 bis 135 (Vorjahr: 107,88) Millionen Euro und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen zwei und fünf (17,74) Millionen Euro gerechnet. Unter Berücksichtigung des Finanzergebnisses werde voraussichtlich vor Steuern ein Verlust von fünf bis acht Millionen Euro anfallen.

Huth erklärte, nach dem 11. September sei das internationale Vertriebsgeschäft zusammengebrochen. Der Abschluss wichtiger Verträge, etwa für den US-Streifen "The Others", und der Absatz von TV-Rechten seien ins Jahr 2002 verschoben worden. Das vierte Quartal sei zudem sehr schwach. Dies liege vor allem daran, dass einige Filme nicht so gut gelaufen seien, wie erwartet. Anfang Oktober war Huth noch von deutlich positiveren Ergebnissen für 2001 ausgegangen. Analysten reagierten mit Herabstufungen der Aktie, die gegen den Trend kräftig verlor. mot

Pro Sieben kämpft

Die TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1 Media AG, hat ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr zum wiederholten Male nach unten korrigiert. Der Vorsteuergewinn werde sich 2001 auf voraussichtlich rund 90 Millionen Euro mehr als halbieren, teilte der zur Kirch-Gruppe zählende Konzern in München mit. Noch vor einem Monat wurde der Gewinneinbruch auf lediglich 30 Prozent beziffert. Die neuerliche Korrektur sei wegen eines unerwartet starken Verfalls der heimischen TV-Werbemärkte in den tradionell starken Monaten Oktober und November nötig geworden, erklärten die Münchner ihre Fehleinschätzung. Pro Sieben Sat 1-Chef Urs Rohner (Foto: dpa) rechnet für 2001 nun mit einem Umsatzminus von sechs bis sieben Prozent. Vor Monatsfrist war von vier Prozent ausgegangen worden. Der heimische TV-Werbemarkt werde mit sieben bis acht Prozent etwas stärker schrumpfen als die Erlöse im Konzern. Mit einer nachhaltigen Verbesserung der Marktlage rechnen die Münchner erst in der zweiten Hälfte 2002. Damit geht das Unternehmen unter schlechten Vorzeichen in die für Mitte des kommenden Jahres geplante Verschmelzung mit ihrer Mutter Kirch-Media. tmh

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