Für mehr Vielfalt am Arbeitsplatz : Unternehmen gestalten ersten Deutschen Diversity-Tag

Überall im Land wurde am Dienstag der erste Deutsche Diversity-Tag zelebriert, um für Vielfalt in den Belegschaften zu werben. Die Politik appellierte, nicht nur Frauen in den Blick zu nehmen.

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Eine junge Frau versucht im Alterssimulationsanzug eine Treppe hinauf zu steigen Foto: pa/dpa
Mit Alterssimulationsanzügen wie diesen erlebten Azubis am Diversity-Tag, wie es ist, körperlich weniger fit zu sein.Foto: pa/dpa

Berlin - Mit rund 350 Aktionen bundesweit haben am Dienstag zahlreiche Unternehmen den ersten Deutschen Diversity-Tag begangen und sich für mehr Vielfalt in den Belegschaften stark gemacht. Insgesamt beteiligten sich mehr als 200 Organisationen verschiedenster Größen und Branchen. In Hamburg etwa gab die Deutsche Bahn in ihren Betriebsrestaurants „Diskussionskärtchen“ mit Zitaten zum Thema aus, um Gespräche anzuregen. Bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in München bekamen kleine und mittelständische Firmen in Workshops praktische Hilfestellungen für ihr Personalmanagement. Der Automobilzulieferer Seissenschmidt im nordrhein-westfälischen Plettenberg ermöglichte es seinen Auszubildende mithilfe von Alterssimulationsanzügen, sich in die Situation deutlich älterer Kollegen hineinzuversetzen. Auch in der Hauptstadt beteiligten sich 30 Unternehmen, darunter der Pharmakonzern Pfizer und Rolls-Royce Deutschland.

Initiiert wurde der Tag vom Verein „Charta der Vielfalt“, einer Initiative der Wirtschaft. Bei der Auftaktveranstaltung in Berlin mahnte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer: „Wir müssen der Vielfalt in der Gesellschaft verstärkt Rechnung tragen – auch als Antwort auf den demografischen Wandel.“ In einer Videobotschaft meldete sich Bundeskanzlerin und Schirmherrin Angela Merkel (CDU), zu Wort. Sie betonte, dass es nicht nur um das Betriebsklima geht: „Vielfalt wird zunehmend als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor erlebt.“

80 Prozent der Unternehmen fördern nur Frauen

Wiederholt appellierten die Vortragenden, Diversity-Management nicht bloß als Frauenförderung zu begreifen. Umfragen zufolge konzentrieren sich 80 Prozent der Firmen, die sich in Sachen Diversity engagieren, auf Gendergerechtigkeit. „Das ist ein wichtiges Thema, aber nicht das einzige“, sagte Böhmer. Ein Beispiel lieferte Vera Gäde-Butzlaff, Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigungsbetriebe: „Wir sind dem Bund gegen Homophobie beigetreten. Bei fast ausschließlich Männern im operativen Geschäft war Schwulsein bei uns lange etwas, das totgeschwiegen wurde.“ Heute seien die Mitarbeiter sensibilisiert, gingen offener mit Homosexualität um. Bei BMW, berichtete Vorstandsfrau Milagros Caiña-Carreiro-Andree, bemühe man sich, Menschen aller Generationen zusammenzubringen. „Altersgemischte Teams haben mehr Output“, sagt die Managerin. Die mit den Jahren abnehmende Leistungsfähigkeit – Stichwort Alterssimulationsanzug – werde also kompensiert.

Auch Werder Bremen ist dabei

Laut Angaben des Vereins erreichten die Einzelaktionen am Dienstag mehr als zwei Millionen Beschäftigte. Insgesamt haben sich schon mehr als 1500 Unternehmen und Institutionen der „Charta der Vielfalt“ angeschlossen. Am Dienstag kamen 30 weitere hinzu. Für den SV Werder Bremen reiste Ex-Spieler Tim Borowski zur Unterzeichnung nach Berlin. Der Fußballklub engagiert sich mit Stadtteiltrainings speziell für Jugendliche mit Migrationshintergrund.„Die Unterschrift ist nur der Anfang“, erinnerte die Vorsitzende des Charta-Vorstands, Ana-Cristina Grohnert, Managerin bei Ernst & Young: „Wir haben nicht die Zeit, zu warten. Wir müssen Gas geben.“

Ende November findet im Tagesspiegel-Verlagshaus die zweite Diversity Konferenz statt.

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