Für ’n Appel und ’n Ei : Den deutschen Bauern drohen Gewinneinbrüche

Deutschlands Bauern kämpfen mit Überangebot und Preisverfall. Manche sehen deshalb bereits ihre Existenz bedroht.

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Landwirte fürchten um ihre Existenz.
Landwirte fürchten um ihre Existenz.Foto: dpa

Sie sprechen vom Kollaps und von Katastrophe: Den deutschen Bauern geht es schlecht. Bei einer Konferenz am Donnerstag wählte Bauernpräsident Joachim Rukwied deshalb drastische Worte. Für das laufende Geschäftsjahr, das im Juni 2015 endet, erwartet sein Verband heftige Gewinneinbrüche – von einem zweistelligen Erlösrückgang war die Rede. Dabei konnten die Landwirte am gleichen Tag Rekordgewinne für das Jahr 2013/2014 vermelden.

Dieser Widerspruch kennt vor allem eine Erklärung. Die Ukraine-Krise reicht bis nach Mecklenburg-Vorpommern – und weit darüber hinaus. Der russische Importstopp hat dazu geführt, dass es in diesem Herbst ein immenses Überangebot auf dem deutschen Markt gab, erläuterte Verbandschef Rukwied. Weil nicht nur heimische Bauern, sondern auch die Landwirte in vielen EU-Partnerländern mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen haben, brachten sie ihre Erzeugnisse auf den deutschen Markt. Das bescherte den Landwirten zusätzliche Konkurrenz – und einen kräftigen Preisrutsch.

Die Preise für Äpfel sind kräftig gesunken

„So etwas bringt den Markt zum Kollabieren“, sagte Rukwied in Berlin. Als Beispiel nannte er den Apfelmarkt. Wegen der russischen Importsperre seien „riesige Mengen“ von Äpfeln aus Polen in der Bundesrepublik statt in Russland gelandet. Das habe den Erzeugerpreis für ein Kilogramm Äpfel von 60 Cent auf 20 Cent gedrückt. Auch bei Fleisch habe es starken Preisdruck gegeben – und in „nahezu allen anderen Segmenten“.

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Dabei hatten die Bauern bereits vor dem Importstopp über zu niedrige Preise geklagt. Die zunehmende Konzentration in der Handelslandschaft führt zu wachsender Macht großer Abnehmer wie Aldi und Edeka – speziell der harte Wettbewerb der Discounter sende die falschen Signale, kritisierten die Bauern 2014 wiederholt. Als Ironie des Schicksals hatten viele Landwirte in der abgeschlossenen Saison dank günstiger Wetterverhältnisse sogar so viel ernten können wie noch nie. Im Süden Deutschlands waren deshalb allein tausende Tonnen von Gurken vernichtet worden, für die es keine Abnehmer gab.

Drei Jahre lang waren die Erlöse der Betriebe konstant

Im Wirtschaftsjahr 2013/2014 stiegen die Gewinne pro Betrieb noch um sechs Prozent auf durchschnittlich 67 300 Euro. Bei den Milchbauern lag das Gewinnplus, wie Donnerstag bekannt wurde, sogar bei 38 Prozent. Ebenfalls überdurchschnittlich gut ging es Schweine- und Geflügelhaltern sowie Bio-Höfen.

Eine dreijährige Phase stabiler Erlöse und Einkommen, sagte der Bauernpräsident, gehe damit wohl zu Ende. Manche Bauern seien bereits „in tief roten Zahlen“. Für einige Höfe könnte das 2015 das Aus bedeuten.

Verbraucher zahlen künftig weniger

Davon profitieren die Verbraucher. Die Preise bleiben stabil, manche fallen bereits. 2015 dürfe wohl mit noch günstigeren Lebensmittelpreisen gerechnet werden, sagte Rukwied.

In Deutschland gibt es noch 285 000 landwirtschaftliche Betriebe, davon laut Verband rund 70 Prozent im Bereich der Tierhaltung. Anfang August hatte Russland als Reaktion auf westliche Wirtschaftssanktionen einen Stopp von Agrarimporten aus Europa verhängt. Als Folge gerieten auch wichtige Teile der deutschen Güterwirtschaft und des Handels unter Druck. In den ersten neun Monaten des Jahres sanken die deutschen Exporte nach Russland um fast 17 Prozent.

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