Wirtschaft : "Für sichere Anlagen ist es noch zu früh"

Die indonesische Regierungskrise schlägt Wellen in der Region.Dem Konsolidierungsprozeß in anderen asiatischen Ländern droht ein Rückschlag.Harald Maass sprach mit Peter van der Mespel, Asienexperte der DG Bank in Hongkong.

TAGESSPIEGEL: Herr van der Mespel, die indonesische Wirtschaft ist so gut wie zusammengebrochen.Geraten nun Nachbarländer in den Sog?

VAN DER MESPEL: Nein, das glaube ich nicht.Der Zusammenbruch der Regierung Suharto in Indonesien ist letztlich eine späte Auswirkung der asiatischen Finanzkrise vom vergangenen Jahr.Damals war die große Explosion, Indonesien ist nur noch ein Nachbeben.Die anderen Märkte, wenn man nach Taiwan, Hongkong oder Korea blickt, sind im wesentlichen stabil.Auch China steht im Moment gut da.

TAGESSPIEGEL: Muß Peking seine Währung abwerten, um auf dem Exportmarkt konkurrenzfähig zu bleiben?

VAN DER MESPEL: Ich glaube nicht, daß China abwerten wird.Eine Kursänderung würde die ausländischen Investoren sehr verunsichern.Beim G-8 Gipfel haben die Industrienationen zudem deutlich gemacht, wie wichtig der stabile Yuan für die Weltwirtschaft ist.Außerdem: Ich glaube nicht, daß eine Abwertung der chinesischen Exportindustrie so viel helfen würde.Die Länder, die ihre Währungen abgewertet haben - also Thailand, Korea und Indonesien -, haben heute die größten Probleme.

TAGESSPIEGEL: Die Aktienkurse in Asien sind im Keller.Raten Sie Kleinanlegern, jetzt zu kaufen?

VAN DER MESPEL: Nein, für eine sichere Anlage ist es jetzt noch zu früh.Ausnahmen sind vielleicht Hongkong und Singapur.Generell sollte man sich bewußt sein, daß Asien nichts für Leute mit schwachen Nerven ist.

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