Wirtschaft : Für Sonntagsradler

Warum ein Fahrrad aus dem Supermarkt noch keinen Weltmeister macht

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Wie Jan Ulrich die Pyrenäen bezwingen, wie Erik Zabel über den Asphalt sausen und wie Lance Armstrong den Zielstrich in Paris überqueren – diese Träume aller deutschen HobbyRadler macht Tchibo wahr. Behauptet das Unternehmen zumindest. Mit dem „Alu-All-Terrain-Bike“, das zurzeit für 349 Euro bei Tchibo zu haben ist, hat sich der Kaffeeröster Großem verpflichtet: „Radweltmeister“ heißt die Überschrift, unter der das Trekking-Fahrrad beworben wird.

Ein zweiter Jan Ullrich wird aber selbst ein hoffnungsvoller Nachwuchsradler mit dem All-Terrain-Bike nicht – genauso wenig wie mit einer der anderen Tretmühlen, die Supermarktketten wie Aldi, Lidl und Plus in regelmäßigen Abständen ihren Kunden anbieten. „Für Leute, die alle paar Wochen mal eine Runde sonntags um den Block fahren wollen, ist so ein Fahrrad vielleicht das Richtige“, sagt Christoph Herrmann, Rad-Experte bei der Stiftung Warentest. „Allen anderen rate ich von einem Kauf ab.“ Denn auch wenn die Ketten mit Preisen ab 199 Euro werben, hat der Kauf im Supermarkt viele Nachteile. Das fängt schon bei der Beratung an: Im Fachhandel ist sie selbstverständlich, im Supermarkt gibt es sie praktisch nicht. „Vielleicht hat man Glück, und zufällig kennt sich der Aldi-Verkäufer privat mit Rädern aus“, sagt Herrmann. „Darauf würde ich mich aber nicht verlassen.“ Das sieht Michael Bollschweiler ähnlich. Der Chefredakteur des Magazins „Radwelt“ hat zwar beobachtet, dass die Qualität der Billig-Räder in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Aber auch er sagt: „Den nötigen Service kann nur ein Fachhändler bieten.“

Rund 500 Euro sollten sich Hobby-Radler nach Einschätzung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ein neues Fahrrad schon kosten lassen. Wer darunter bleibt, muss mit Qualitätsmängeln rechnen. Die treten zwar nicht bei jedem Fahrrad aus dem Supermarkt auf, aber Experte Herrmann sagt: „Das sind Massenprodukte – da können schon mal fünf von 1000 Rädern mangelhaft sein.“ Das kann gefährlich werden: Lenker- und auch Gabelbrüche nach nur wenigen Monaten können bei Billig-Fahrrädern immer mal wieder vorkommen, auch ein schneller Verschleiß von Ketten, Bremsbelägen und Felgen ist keine Seltenheit. Zudem gibt es oft Schwierigkeiten mit der Schaltung. Ein weiteres Problem: Oft muss der Käufer noch selbst Hand ans Fahrrad anlegen – Lenker und Pedalen sind in der Regel nur vormontiert. „Nur kleine Fehler bei der Montage können den Traum vom neuen Fahrrad schon nach wenigen Wochen beenden“, sagt Herrmann. Besonders bei Kinderrädern hält der Experte die Selbstmontage für gefährlich: Denn eine einzige falsch angebrachte Schraube kann zum Unfall führen.

Bei Montagefehlern oder bei frühem Verschleiß der Einzelteile ist die Reklamation schwierig: Denn die Supermärkte haben Fahrräder in der Regel nur wenige Wochen im Angebot – geht das Rad später kaputt, ist der Umtausch ausgeschlossen und eine Reparatur ist im Supermarkt auch nicht möglich. Die Alternative: Mit dem Sportgerät zum Fachhändler. Dort allerdings muss der Supermarkt-Käufer mit längeren Wartezeiten rechnen. „Vor allem im Sommer bedienen die Händler zuerst Kunden, die das Rad bei ihnen gekauft haben“, sagt Michael Bollschweiler. Trotz aller Warnungen der Experten erfreuen sich die Tretmühlen aus dem Supermarkt weiterhin großer Beliebtheit: 2003 wurden 43 Prozent aller Fahrräder im Supermarkt oder Baumarkt gekauft. den

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