Wirtschaft : Für zwei Milliarden Mark übernimmt Tyco International elektromechanische Komponenten

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Für zwei Milliarden Mark hat die Siemens AG, Berlin / München, ihr Geschäftsgebiet Elektromechanische Komponenten (EC) an die in Bermuda ansässige Tyco International Limited verkauft. Für die betroffenen 12 400 Mitarbeiter gebe es "erst einmal keine großen Veränderungen," sagte Konzern-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger bei einem kurzfristig angesetzten Pressegespräch in München. Mit dem in den USA börsennotierten Erwerber seien allerdings keine vertraglichen Auflagen zu den Arbeitsplätzen vereinbart worden. In Deutschland beschäftigt die jüngst aus dem Siemens-Konzern ausgegliederte Siemens Electromechanical Components GmbH & Co. KG an den Standorten München, Speyer und Berlin insgesamt 1700 Mitarbeiter. Davon entfallen auf die Berliner Relaisfertigung rund 600 Mitarbeiter. Tyco ist ein im Industrie- und Servicebereich international tätiger Konzern mit rund 22 Milliarden Dollar Umsatz sowie nach eigenen Angaben größter Hersteller von elektrischen und elektronischen Komponenten. Die Kartellbehörden müssen dem Verkauf noch zustimmen. "Die Akquisition durch Tyco bedeutet für den Bereich und seine Mitarbeiter, auch in Zukunft zu einem starken Unternehmen zu gehören," kommentierte Siemens-Chef Heinrich von Pierer den Schritt. EC ist weltweit ein führender Anbieter von Bauelementen und bei Relais weltweit die Nummer Eins.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Siemens-Bereich bei 78 Millionen Mark Gewinn vor Steuern und Zinsen rund 1,5 Milliarden Mark umgesetzt. In den ersten neun Monaten der laufenden Periode wurden 1,2 Milliarden Mark erlöst und acht Millionen Mark Gewinn erzielt. Die mageren Profite seien nicht auf operative Ursachen zurückzuführen, sondern hätten mit Lasten der Ausgründung zu tun, sagte Neubürger. Tyco bezeichnete den Kauf als ideale Ergänzung zum eigenen Produktspektrum. Zu den Arbeitsplätzen äußerte sich der Erwerber nicht. Für Siemens ist die Veräußerung der Auftakt zur Trennung von allen Chipaktivitäten und anderen Geschäften. Als nächsten Schritt wollen die Siemensianer ihre Tochter Epcos AG an die Börse bringen.

Kurz vor dem Verkauf stünden ferner die Hanauer Vacuumschmelze GmbH und die Geschäfte mit Nachrichtenkabeln sowie Bank- und Kassensystemen, sagte Neubürger. Entsprechende Abschlüsse erwartet er "in den nächsten Wochen". Noch vor Ende 1999 soll auch der Verkauf des schweizer TV-Kabelnetzbetreibers Cablecom perfekt sein, an dem Siemens beteiligt ist. Schlusspunkt des umfangreichen Verkaufsprogramms ist für Siemens der für März 2000 vorgesehene Börsengang der Halbleiter-Tochter Infineon AG, München. Danach werde sich Siemens binnen weniger Monate von Aktivitäten mit 17 Milliarden Mark Umsatz und einem Gewinnbeitrag vor Steuern und Zinsen von 500 bis 600 Millionen Mark getrennt haben, sagte Neubürger. Die Verkaufserlöse würden sich insgesamt auf einen "größeren, aber nicht zweistelligen Milliardenbetrag" summieren. Zugleich warnte der Manager davor, diese Summe mit dem Siemens zufließenden Geldern gleich zu setzen, weil davon noch die Finanzschulden der jeweiligen Aktivitäten abgezogen werden müssten.

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