Wirtschaft : „Fürchterliche Konsequenzen für Airbus“

Juliane Schäuble

Berlin - Die Hauptversammlung in Amsterdam versprach, turbulent zu werden. Themen gab es genug: die Krise der EADS-Tochter Airbus, die den Gewinn des Luft- und Raumfahrtkonzerns im vorigen Jahr von zuvor 1,7 Milliarden Euro auf 99 Millionen Euro schmelzen ließ, der umstrittene Sanierungsplan „Power 8“ oder die Zahlung von 8,5 Millionen Euro an den früheren Co-Chef Noël Forgeard. Umso mehr musste sich die neue EADS-Spitze ins Zeug legen, um die verärgerten Aktionäre zu beruhigen. Immerhin: Tumulte blieben am Freitag aus.

Da half, dass die Konzernspitze Fehler eingestand. So entschuldigte sich der französische EADS-Chef Louis Gallois: „Es tut uns schrecklich leid, solche schlechten Zahlen präsentieren zu müssen.“ Sein deutscher Co-Vorsitzender Thomas Enders räumte ein, im alten Airbus-Vorstand habe es Selbstgenügsamkeit gegeben. Und EADS-Co-Präsident Arnaud Lagardère zog eine schonungslose Bilanz der Krise beim Flugzeugbauer Airbus: Die Probleme seien nicht richtig angegangen worden. „Das hat zu fürchterlichen Konsequenzen geführt.“ Doch sei es falsch, Einzelne verantwortlich zu machen.

Die zweijährige Verspätung beim Bau des Großflugzeugs Airbus A 380 und der schwache Dollar haben EADS im letzten Quartal 2006 einen Verlust von 768 Millionen Euro eingebracht. Gallois sagte für Airbus auch in diesem Jahr einen „deutlichen Verlust“ voraus, verursacht durch die Anschubkosten für „Power 8“ und durch die Dollar- schwäche. 2008 soll der Flugzeugbauer aber wieder schwarze Zahlen schreiben.

Die Aktionäre stimmten in Amsterdam für eine volle Ausschüttung des mageren Nettogewinns. Damit erhalten sie zwölf Cent je Aktie. Da der Verwaltungsrat von EADS sich vorab nicht auf eine Empfehlung für eine Dividendenzahlung einigen konnte, hatte der Konzern die Entscheidung den Aktionären selbst überlassen.

Nach dem Sparplan „Power 8“ sollen europaweit 10 000 Stellen gestrichen werden, davon 2300 in Hamburg und 1400 an anderen deutschen Standorten. Mehrere Werke sollen ausgelagert und verkauft werden. Gallois betonte, das Programm bedeute mehr als die Entlassung von Mitarbeitern. Es solle auch dazu beitragen, den kompliziert gebauten internationalen Konzern besser zu integrieren. Zudem benötige EADS ein „Netzwerk von Partnern“, um Entwicklungen und Risiken nicht alleine tragen zu müssen.

Obwohl Airbus seinen Mitarbeitern in Frankreich eine Sonderprämie von 500 Euro sowie eine Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent anbot, setzten die Streikenden in Nantes und Saint-Nazaire den Arbeitskampf zunächst fort. „Wenn man die Prämie mit den 25 000 Mitarbeitern der Gruppe multipliziert, kommt man gerade auf den Betrag, den der frühere Chef Noël Forgeard zum Abschied bekommen hat“, sagte Xavier Petrachi für die Gewerkschaft CGT.

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