Wirtschaft : Full Flat Rate, T-ISDN XXL - die Deutsche Telekom startet eine neue Offensive

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Mit neuen Internet-Offensiven startet die Deutsche Telekom unter dem Motto "Deutschland geht online" in das Jahr 2000. Zum einen will die Telekom allen Schulen einen kostenlosen Internetzugang bereit stellen. Zum anderen stellte Ron Sommer, Vorstandsvorsitzender des Bonner Konzerns, für das erste Halbjahr eine so genannte Full Flat Rate für Internet-Vielnutzer in Aussicht. Wie er anlässlich der Eröffnung der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom sagte, solle für unter 100 Mark im Monat ein unbeschränkter Internet-Zugang eingeführt werden - inklusive aller Online- und Telefonkosten.

Bisher gibt es ein solches Komplettangebot nur von Mannesmann Arcor auf dem deutschen Markt, allerdings für 149 Mark im Monat. Michael Peter, Arcor-Pressesprecher, sagte zur Veröffentlichung der Telekom: "Das ist typisch für die Telekom. Noch sind die Konditionen des neuen Angebots vollkommen unklar." Außerdem, sagte Peter, hätte Arcor die Telekom durch ihr Angebot erst dazu gebracht, ebenfalls eine Flat Rate einzuführen. "Und wir werden die Telekom auch in Zukunft in dem Feld nicht alleine lassen." Angekündigt hat eine Flat Rate für dieses Jahr noch die Mobilcom, die mit einer entsprechenden Initiative bereits einmal gescheitert war. Dort heißt es aus der Pressestelle, man fühle sich "auf keinen Fall bedroht."

Zu erwarten ist, dass AOL Europe, der größte Mitbewerber der Telekom, nachziehen wird. In einer ersten Reaktion auf Sommers Ankündigungen forderte AOL von der Telekom, die günstigen Preise auch an den Kunden ihrer Mitbewerber zu gewähren. Auf die Vorstellung einer AOL-Studie am Donnerstag, in der niedrigere Telefonkosten für die Online-Nutzung gefordert werden, reagierte wiederum Sommer gelassen. Die Telekom trage zum Fortschritt in Deutschland aktiv bei, während AOL vor allem mit Ratschlägen an die Öffentlichkeit trete.

Von dem bei der Eröffnung ebenfalls anwesenden Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde aber besonders die Weiterführung des Projekts "Schulen ans Netz" begrüßt. So will die Telekom die 1996 in Kooperation mit dem Bundesbildungsministerium begonnene Aktion verstärken. Allen rund 40 000 Schulen in Deutschland wird vom Konzern ein kostenloser ISDN- und T-Online-Anschluss angeboten. Alle Anschluss- und Nutzungsentgelte entfallen. Die Kosten für die Telekom bezifferte Sommer mit etwa 125 Millionen Mark jährlich, sobald alle Schulen über Anschlüsse verfügen. Im Herbst soll Schülern auch für den Heimgebrauch ein besonderes Angebot gemacht werden. Gegen die Gebühr von einer Mark pro Tag könnten diese dann nachmittags von 14 bis 18 Uhr unbegrenzt im Internet surfen.

Ein weiteres neues Angebot bringt den Kunden in Deutschland sonntags amerikanische Verhältnisse. Denn die Telekom will ihren ISDN-Teilnehmern gegen eine zusätzliche Gebühr von fünf Mark unter dem Namen T-ISDN XXL anbieten, sonntags unbegrenzt zu telefonieren und im Internet zu surfen. In den USA ist es die Regel, dass Ortsgespräche über die monatliche Grundgebühr abgegolten werden. Mit den nun angekündigten Pauschalen bei Internetnutzung und Telefonieren gehen die Anbieter in Deutschland noch einen Schritt weiter. Allgemein wird inzwischen erwartet, dass umfassende Pauschalen über kurz oder lang eingeführt werden. Einige Stadtnetze experimentieren bereits damit.

Hinzu kommt bei der Telekom ein Service mit dem Namen ISDN active, bei dem Internet-Vielnutzern eine schmalbandige Standleitung für eine Gebühr von zehn Mark im Monat angeboten wird. Eine Standleitung war bisher Firmenkunden vorbehalten. Die Verbindung ist nur für die Übertragung kleinerer Datenmengen geeignet - wie zum Beispiel aktueller Börsenkurse oder der Benachrichtigung über neue E-Mails.

Schließlich passt die Telekom ihren Internetdienst an technische Neuerungen an. So wird die schnelle ADSL-Technik unter dem Namen T-ISDN dsl vertrieben. Die Gebühren sollen unter 100 Mark monatlich fallen. Mit ADSL werden Breitbandanwendungen möglich - und vor allem die alten Kupferleitungen wesentlich leistungsfähiger. Das Herunterladen von Videofilmen oder anspruchsvollen Anwendungen wird so dem Internet-Nutzer ermöglicht.

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