Fusion : Air Berlin flirtet mit den Gewerkschaften

Nach der Erlaubnis zur Übernahme der LTU durch das Bundeskartellamt geht Air Berlin ungewophnt offen auf die Gewerkschaften zu. Die Flugzeugwartung der Airlines wird zusammengelegt und ein Tarif-Abschluss ist auch schon da. Nur der drohende Piloten-Streik muss noch abgewendet werden.

Berlin/DüsseldorfAir Berlin bündelt nach dem grünen Licht des Bundeskartellamtes für die Übernahme der LTU den Technik-Bereich Die Flugzeugwartung der gesamte Gruppe aus Air Berlin, Dba und LTU werde in einem eigenständigen Bereich mit rund 1100 Mitarbeitern zusammengefasst. Dadurch sollen die Kosten für die Wartung der 130 Flugzeuge der Gruppe gesenkt und leichter Wartungsaufträge anderer Fluggesellschaften an Land gezogen werden. Unterdessen wurde in Düsseldorf ein erneuter Versuch gestartet, einen folgenschweren Pilotenstreik beim Ferienflieger LTU abzuwenden.

Möglich wurde die Zusammenlegung der Technikbetriebe durch einen Tarifabschluss für das LTU-Bodenpersonal. Er sieht eine Lohn- und Gehaltserhöhung von drei Prozent zum 1. August 2007 für die 950 Verwaltungs- und Technik-Mitarbeiter der LTU vor. Zusätzlich werden einmalig 800 Euro pro Mitarbeiter gezahlt. Der neue Manteltarifvertrag ermögliche, dass 600 Techniker und Verwaltungsangestellte der LTU in die neue Technik-Gesellschaft wechseln. Das ist mehr als jeder fünfte Mitarbeiter der LTU. Für alle bisherigen Mitarbeiter des LTU-Bodenpersonals seien weitreichende Beschäftigungs- und Besitzstandsgarantien vereinbart worden.

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold bezeichnete die Zusammenlegung der Technik als einen entscheidenden Schritt für Kosteneinsparungen und Wettbewerbsfähigkeit. "Mit der Gründung der eigenständigen Air Berlin-Technik schaffen wir nicht nur ein Wachstumspotenzial für das Drittgeschäft mit konzernfremden Airlines, sondern sichern dadurch einen Teil der Synergien von jährlich 70 bis 100 Millionen Euro, die wir durch den Kauf der LTU erwarten", sagte er. Ab sofort würden 600 bisherige LTU-Mitarbeiter aus Düsseldorf und München in dem neuen Bereich tätig sein. In Kürze sollen die 130 Mitarbeiter der Dba-Technik München und die Mitarbeiter der Air Berlin Technik hinzukommen.

Hunold appeliert an Cockpit

An die Pilotenvereinigung Cockpit appellierte Hunold in einem Zeitungsinterview, bei den neuen Verhandlungen für die rund 400 LTU-Piloten möglichst schnell zu einer Einigung zu kommen. "Wir haben den Piloten geboten, was wir allen geboten haben, nämlich eine Gehaltssteigerung von drei Prozent", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Das Gehaltsniveau der LTU liegt nach den Worten von Hunold ohnehin über dem von Air Berlin. "Ich kann nicht eine Minderheit im Gesamtverbund besser stellen als diejenigen, die ihnen die Zukunft ermöglichen", unterstrich der Konzernchef. Nach früheren LTU-Angaben fordert Cockpit sechs Prozent mehr Geld.

Dem Ferienflieger LTU droht ein Pilotenstreik. In einer Urabstimmung der Gewerkschaft Cockpit hat sich die Mehrheit für einen unbefristeten Arbeitskampf ausgesprochen. Mit einem Warnstreik hatte Cockpit am Montag den Druck auf die LTU Geschäftsführung stark erhöht. Tausende Reisende mussten an den Flughäfen Düsseldorf und München wegen der Aktion bis zu zwei Stunden auf den Abflug warten. Die Tarifverhandlungen wurden am Donnerstag in Düsseldorf an einem nicht genannten Ort fortgesetzt. Zum Verhandlungsstand wurde bis zum Nachmittag nichts bekannt. Die getrennten Tarifverhandlungen für das Kabinenpersonal der LTU sollen am 20. August fortgesetzt werden. (mit dpa)

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