Wirtschaft : Fusion auf dem Tisch der Aufsichtsräte - die Gremien entscheiden am Montag

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Die Aufsichtsräte von Deutscher Bank und Dresdner Bank werden am kommenden Montag in einer außerordentlichen Sitzung über die Fusion ihrer beiden Häuser entscheiden. Am Mittwoch wurden die Mitglieder beider Kontrollgremien zunächst ausführlich von den Vorstandssprechern Rolf-E. Breuer und Bernhard Walter über das Vorhaben informiert. Die Gewerkschaften befürchten im Falle einer Fusion der Institute einen drastischen Stellenabbau.

Da es für die kurzfristig einberufenen Treffen beider Gremien am Mittwoch vorab keine schriftlichen Unterlagen gab, wurde die Abstimmung auf kommenden Montag verschoben. Unabhängig davon wollen Breuer und Walter am heutigen Donnerstag aber die Öffentlichkeit über die Fusion informieren. Am Mittwoch sickerte bereits durch, dass Hilmar Kopper, der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, auch dem Kontrollgremium der neuen Großbank vorstehen soll. Dies gilt als klares Indiz dafür, dass Kopper voll hinter dem Fusionsvorhaben steht. Zuvor hatten Gerüchte die Runde gemacht, Kopper betrachte den Zusammenschluss der beiden Großbanken und damit die Strategie von Deutsche Bank-Vorstandssprecher Breuer mit gemischten Gefühlen. Kopper war bis Mai 1997 Vorstandssprecher der Deutschen Bank und damit Vorgänger von Breuer.

In die euphorischen Reaktionen von Börse und Analysten auf die sich abzeichnende Fusion haben sich zunehmend kritische Stimmen gemischt. Neben den Befürchtungen der Gewerkschaften, dem Zusammengehen der Institute könne jede dritte Stelle zum Opfer fallen, riefen die Fusionspläne in der Politik quer durch die Parteien unterschiedliche Reaktionen hervor. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle forderte, die Macht der Banken zu beschränken. Mit der Bankenfusion werde auch der Beteiligungsbesitz des neuen "Finanzgiganten" an Industrieunternehmen immer undurchsichtiger. Der CSU-Mittelstandspolitiker Hans Michelbach befürchtet den "Tod der Universalbanken" in Deutschland. Der Zusammenschluss sei aber auch deshalb eine "sehr bittere Pille", weil die Finanzierung der kleinen und mittleren Firmen erheblich erschwert werde, sagte Michelbach dem Handelsblatt. Auch der SPD-Wirtschaftsexperte Uwe Jens beurteilte die Megafusion kritisch. Es werde höchste Zeit, dass die EUKommission und das deutsche Kartellamt die Konzentration auf den Bankenmarkt unterbänden. "Diese Mammutfusion treibt zwar kurzfristig die Aktienkurse hoch, aber sie zerstört einen gewachsenen Markt", kritisierte Jens.

Zu den Fusionskritikern zählen auch einige Wissenschaftler. Joachim Starbatty, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, sorgt sich gegenüber dem Handelsblatt um die entstehende Machtballung, zumal hinter der Fusion ja noch die Allianz-Versicherung stünde. "Wenn eine Deutsch-Dresdner Bank beim Kanzler anruft, dann ist das etwas ganz anderes, als wenn eine normale Bank anruft", warnt der Tübinger Professor. "Generell fanden die Großbanken bisher schon ein starkes Gehör in der Politik", meint Manfred J.M. Neumann, der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium. "Das wird natürlich zunehmen, wenn sich das auf ein noch größeres Institut konzentriert."

Dagegen meinte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Gunnar Uldall, der Strukturwandel in der Kreditwirtschaft lasse sich nicht aufhalten. Es gehe den beiden Instituten nicht um mehr Macht, sondern sie seien vom Markt dazu gedrängt worden, durch ein Zusammengehen ihre Position langfristig zu sichern.

Auch Bundespräsident Johannes Rau äußerte sich am Mittwoch skeptisch zur beabsichtigten Großfusion. Immer müsse bei der "gegenwärtigen Fusionitis" bedacht werden, dass nicht nur Firmen, sondern zugleich auch Menschen gekauft und verkauft würden, sagte das Staatsoberhaupt bei einem Besuch der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit. "Ich habe in den letzten zwei, drei Jahren den Eindruck, dass allein der Begriff Fusion auf viele eine Faszination ausübt, die gefährlich sein kann. Größe kann zwar im Wettbewerb notwendig sein, bringt aber allein nicht den wirtschaftlichen Erfolg."

Die Nummern Eins und Drei im deutschen Kreditgewerbe wollen mit einem Zusammenschluss ihre Weltmarktposition weiter ausbauen. Das neue Institut würde über eine Bilanzsumme von 2,5 Billionen Mark verfügen und weltweit 140 000 Mitarbeiter beschäftigen.

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